Erschienen in Ausgabe 3-2017Märkte & Vertrieb

Mensch denkt, Maschine lenkt

Weniger Unfälle durch Carsharing und Assistenzsysteme – Höhere Kosten für Versicherer

Von Uwe Schmidt-KasparekVersicherungswirtschaft

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Das eigene Auto könnte künftig durch ein Guthaben für Mobilität ersetzt werden. Statt besitzen, heißt die neue Zauberformel: Nutzen, wenn nötig. Eine solche Vision stellte Philip Kneissler, Geschäftsführer der Belmoto GmbH auf dem diesjährigen Business Forum 21 „Mobilitiät & Kfz-Versicherung im Fokus“ vor. „Vor allem Firmen können ihren Mitarbeitern künftig ein Konto für beispielsweise 800 Euro einrichten, das beliebig im eigenen Carpool, für Flüge oder Urlaub eingesetzt werden kann“, erläuterte Kneissler. Damit gäbe es für die Mitarbeiter eine deutlich höhere Flexibilität und die Dienstwagenflotte könnte deutlich reduziert und effektiver genutzt werden. „Das Flottengeschäft ist die Zukunft der Mobilität“, glaubt auch Harald Seliger, Leiter Kraftfahrt Vertrag bei der R+V Allgemeinen Versicherung. Es würde künftig immer weniger Menschen geben, die ihr Fahrzeug selbst versicherten, weil sie ein Carsharing-Unternehmen nutzen würden. Gleichzeitig würde eine vernetzte Technik Fahrzeuge deutlich sicherer machen und beispielsweise das gekoppelte und sichere Kolonnenfahren auf der Autobahn ermöglichen.

Fahrverbot als Abschreckung

Nach Einschätzung von Johannes-Jörg Rüger, President Sales and Systems Engineering Commercial Vehicle and Offroad Business bei der Robert Bosch GmbH könnten Assistenzsysteme im Auto 90 Prozent der menschlichen Fehler vermeiden. Am Ende, davon sind alle Experten überzeugt, steht das autonom fahrende Auto. Es benötigt lediglich noch Produkthaftungsschutz und eine Cyberdeckung gegen Hacker. Umstritten ist, wie schnell die neuen Techniken realisiert werden. Nach einer Prognose der Axa-Versicherung würden bei einem langsamen Fortschritt der digitalen Technik im Fahrzeug die Einnahmen in der Kfz-Versicherung 2020 immerhin noch bei rund 21 Mrd. Euro liegen. Aktuell liegen sie bei fast 26 Mrd. Euro. Kommt es jedoch schnell zu einem Wechsel der Mobilitätskultur, dann könnten die Einnahmen der Kfz-Versicherer bis 2030 sogar auf rund 13 Mrd. Euro sinken.
Experte Rüger geht davon aus, dass schon ab 2025 Lkws auf der Autobahn im Platooning, also in vernetzten Kolonnen fahren werden. Dann sind die Lenker tatsächlich vollkommen von Fahraufgaben freigestellt. Doch wie stark das Zukunftsmusik ist, zeigt ein Bericht von Harald Seliger von der R+V Versicherung. So waren bei vier schweren Auffahrunfällen mit einem Lkw, die die R+V Tochter Kravag 2016 entschädigen musste, aller Voraussicht nach die automatischen Abstandswarner der Fahrzeuge von den Fahrern…