Erschienen in Ausgabe 3-2017Märkte & Vertrieb

Schlacht um Flaggschiff Generali

Der größte Versicherer des Landes soll italienisch bleiben – beste Kaufchancen hat die Großbank Intesa Sanpaolo

Von Dr. Michael FethVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Die Schlacht um die Übernahme des Generali-Konzerns geht in die nächste Runde. Nachdem vor wenigen Wochen Gerüchte über eine Übernahme seitens der Turiner Großbank laut wurden und der Chef von Intesa, Carlo Messina, das Interesse an Generali sowie an nicht näher identifizierten „anderen Finanzunternehmen“ offiziell bestätigte, war es zunächst still geworden um den Deal. Beide Seiten hüllten sich in eisernes Schweigen und klärten intern ihre Strategien. Doch nun scheint neue Bewegung in die Sache zu kommen, Intesa Sanpaolo treibt zur Eile. Ein ausländischer Bewerber könnte den Löwen aus Triest zuerst erlegen, sollte Intesa weiter zögern, heißt es in Finanzkreisen. Generali versucht inzwischen, mit einem verschärften Sparprogramm einer Übernahme durch Italiens ertragreichste Großbank zu entgehen und die Unabhängigkeitsstrategie bei den Aktionären durchzusetzen.
Durch die Sparmaßnahmen würde mehr Gewinn an die Großaktionäre wie Mediobanca (13,4 Prozent), die beiden Unternehmer Leonardo Del Vecchio und den Baulöwen Gaetano Caltagirone mit drei bzw. 3,5 Prozent, fließen. Weitere Schutzmaßnahmen stehen nach Informationen aus dem Verwaltungsrat im Raum.

Weiße Ritter treiben Generali-Aktien

Aber auch der Einstieg eines „Weißen Ritters“ in den Übernahme-Poker wird nicht ausgeschlossen, was die Phantasie der Börsianer umtreibt und der Generali-Aktie an der Mailänder Börse ein Hoch beschert.
Die Banca Intesa Sanpaolo mit einem Überschußkapital von zehn Mrd. Euro ist eines jener wenigen Finanzinstitute Italiens, das nicht von der allgemeinen Bankenkrise betroffen ist. Denn der seit 2013 amtierende Vorstandschef Carlo Messina hatte seinen Geschäftsplan bereits 2014 auf Vermögensverwaltung, Private Banking und Versicherungswesen abgestellt, einen rigorosen Kostenabbau eingeleitet und den Aktionären im Zeitraum 2014 bis 2017 eine Dividendenausschüttung von zehn Mrd. Euro garantiert. Durch das Zusammengehen mit Generali würde einer der größten Finanzkonzerne Europas entstehen, mit einer Spitzenposition besonders im Asset-Management. Die Gerüchteküche brodelt: Angeblich überlegt Intesa ein freundliches Übernahmeangebot, habe bereits bei Generali-Großaktionären vorgefühlt. Ob Italiens größte Investmentbank, die Mailänder Mediobanca, bereit ist, ihr Generali-Aktienpaket abzugeben, ist jedoch fraglich. Doch genau diesen Mega-Deal sehen die Wettbewerbshüter kritisch: Generali und Intesa dominieren schon jetzt den italienischen Versicherungsmarkt. Das Kartellrecht dürfte den…