Erschienen in Ausgabe 3-2017Schlaglicht

Munich Re wagt sich aufs Big-Data-Parkett

Die Expertise zum Umgang mit komplexen Daten müssen sich Versicherer erst ins Unternehmen holen

Von Dominic EggerVersicherungswirtschaft

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Wenn sich Versicherer als Player im Bereich Big Data bezeichnen, zeigen sie damit, dass sie nicht wissen, von was sie sprechen“, sagt Jobst Landgrebe, Gründer von Automatisierungsdienstleister Cognotekt, angesprochen auf die Big-Data-Expertise der Branche. Können Versicherer mit großen, komplexen Daten wirklich nicht umgehen? Der Blick auf das Programm des „Big Data Summit“, der Mitte Februar in Hanau stattfand, zeigt: Nur zwei, auch noch parallel ablaufende Sessions, haben Versicherungsbezug. Als einziger Versicherer stellt Munich Re ein Anwendungsbeispiel von Big Data auf dem vom Digital-Verband Bitkom organisierten Gipfel mit über 700 Besuchern vor. Von 90 Rednern stammt nur einer von einem Versicherer.
„Zeit ist Geld“, bringt Klaus Wenselowski, Leiter des Property-Schadenreferats bei Munich Re, den Nutzen des neuen Tools „Early Loss Detection“ auf den Punkt. Feuer-Schäden stündlich aktuell aufspüren könne die Big-Data-Anwendung, die gemeinsam mit der Empolis Information Management aus Kaiserslautern entwickelt wurde. Die Cloud-Lösung erfasst mehrere tausend Newsquellen, vorwiegend Online-Ausgaben von Regionalzeitungen, und filtert relevante Informationen heraus. Der Algorithmus untersucht Zeitungsartikel daraufhin, ob sie von demselben Schaden berichten, und gleicht die Geo-Daten eines Vorfalls mit Standorten von Versicherungsnehmern ab. Auch auf den Schadentag rechnet das Sytem zurück und stellt die Daten schließlich für den Schadenmanager aggregiert in einer Karte dar. Dies ermögliche den Erstversicherern eine deutlich frühere Schadenregulierung.

„Hamburg ist total gemein“

Schäden zwischen einer und zehn Mio. US-Dollar brauchten besonders lange, bis sie den Versicherern bekannt würden. „Die ökonomische Tragweite der Schäden ist zu klein, um in überregionalen Medien zu landen“, erklärt Alexander Firyn, Senior Consultant bei Empolis. Diese Lücke soll die „Early Loss Detection“ schließen.
„Wir wollen nicht besserwisserisch auftreten, sondern dem Kunden unter die Arme greifen“, erläutert Wenselowski die Motivation des Münchener Rückversicherers. Durch Einführung des Systems entstünde eine Triple-Win-Situation: Erstversicherer wüssten schon vor Eingang der Schadenmeldung um den Brand, könnten deutlich schneller und somit günstiger regulieren. Versicherungsnehmer würden daher früher beim Wiederaufbau unterstützt und für Munich Re schlage der Schaden in geringerem Maße oder – im Idealfall – erst gar nicht zu Buche. Gerade in der Industrieversicherung sei eine…