Erschienen in Ausgabe 3-2017Köpfe & Positionen

„Honorarvermittlung ist Verbraucherverdummung.“

Zu Titelreport: „Wunsch nach Größe“,

Von Dieter RauchVersicherungswirtschaft

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Wie nicht anders zu erwarten, traf der Referentenentwurf zur Umsetzung der Insurance Distribution Direction (IDD) auf ein geteiltes Echo. Klar, so richtig recht macht es der Entwurf niemandem. Kann er aber auch nicht, verständlicherweise.
Ehrlich gesagt: Ich kann die vorherrschende Gemütslage jener ehrenwerten Kritikaster-Gesellschaft durchaus verstehen. Mantramäßig erzählte man der Politik seit einer kleinen Ewigkeit, Honorarberatung funktioniere nicht, es gebe keine Akzeptanz bei Verbrauchern, und nur das Provisionsmodell sei das allein selig Machende. Es wird deshalb nur wenige überraschen, dass wir als Honorarberater dem Referentenentwurf zumindest verhalten positiv gegenüberstehen.
Der Entwurf ist durchaus gelungen, wenn auch sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, also noch verbesserungsbedürftig. Die echte Honorarberatung in Deutschland kommt mit diesem Entwurf einen Schritt weiter. Zwar sind die rechtlichen Vorgaben für meine Branche noch nicht ideal. Die Richtung stimmt jedoch. Klar ist: Das Provisionssystem versagt für Verbraucher und betriebswirtschaftlich denkende Berater deutlich sichtbar seit vielen Jahren. Nun sollen die Überreste dieses überholten Systems gerettet werden.
Schauen wir uns kurz den Referentenentwurf an. Der VDH fordert seit Jahren, intransparente Mischmodelle zu unterbinden. Falls nicht erneut alles zerredet und weich gespült wird, zieht die Umsetzung des Gesetzes erstmals eine klare Linie zwischen Vermittlern auf Provisionsbasis und reinrassigen Honorarberatern. Eine Lösung des vorhandenen Problems der Honorarvermittlung fehlt allerdings weiterhin. Offenbar hat man aus den Fehlern bei der Umsetzung des Honorar-Anlageberatergesetzes (34h GewO) gelernt und die augenfälligen Missstände erkannt. Das vom VDH vorgeschlagene Honorar-Annahmeverbot für Vermittler, welche nach dem Willen des Gesetzgebers nur noch von Versicherungsgesellschaften bezahlt werden dürfen, ist das Aus für Mischmodelle und ein weiterer Sargnagel für das Provisionsmodell. Doch es fehlt weiterhin an der Transparenz gegenüber dem Kunden.
Beim Honorarberater werden die Kosten für die Beratungsleistung ohne jegliche Verschleierungen schon im Vorfeld deutlich und vereinbart. Aber wo sieht der Verbraucher das bei einem Vermittler auf den ersten Blick? Die Beratung ist bei Vermittlern ja angeblich kostenlos, sie kostet „nur“ den Abschluss. Zum Totlachen. An dieser Stelle sollte der Referentenentwurf tiefer gehen und schonungslos die Verpflichtung zur absoluten…