Erschienen in Ausgabe 3-2017

Mit den Maschinen tanzen

Von Dr. Dirk SolteVersicherungswirtschaft

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Die Leistungsfähigkeit von Computern verdoppelt sich immer noch dem Mooreschen Gesetz folgend etwa alle 18 Monate. Mit den neuen Methoden der künstlichen Intelligenz, besonders Big Data und Analytics, gelingen Programmierungen, die den Fähigkeiten des Menschen überlegen sind. Es ist jetzt ein Jahr her, dass ein Rechnerprogramm auch im Go-Spiel gegen einen Großmeister gewonnen hat. Das wirft die Frage nach der bestmöglichen Symbiose zwischen Mensch und Maschine auf. Eine Antwort darauf kann ein Blick auf den Status-Quo der Entwicklungen beim Schachspiel geben. Die stärksten Spieler sind die so genannten Freestyler. Das sind Teams aus Menschen und Programmen. Die Menschen, denen die Rolle der strategischen Ressourcenauswahl und Koordination zukommt, müssen dabei nicht einmal besonders gut Schach spielen können. Es kommt darauf an, die verschiedenen Programme hinsichtlich ihrer Stärken und Schwächen einschätzen und miteinander vernetzen zu können. Daraus resultiert ein Miteinander, gegen das weder Großmeister, noch einzelne Schachprogramme eine Chance haben. Ein Blick in die Wirtschaft und Politik zeigt, dass genau dieses prinzipielle Potenzial eines harmonischen Miteinanders von Mensch und Maschine, sowie die Frage des richtigen Umgangs damit, hinter aktuellen Debatten und Entwicklungen stecken:
Der Schadenmitarbeiter wird zum Spezialisten für Partnermanagement, Produktentwicklung, Kundenbetreuung oder Predictive Analytics, so Jens Riegel und Andreas Witte (S. 12). Grund dafür ist, dass KI zur Effizienzsteigerung im Versicherungsgeschäft eingesetzt wird. Die neuen digitalen Technologien haben aber auch Einfluss auf die Geschäftspotenziale der Versicherer, da beispielsweise intelligente Fahrassistenzsysteme das Unfallrisiko erheblich senken.
Das novellierte Straßenverkehrsgesetz, als Grundlage für automatisiertes Fahren, den Tanz des Fahrers mit dem Fahrzeug, analysiert Christian Armbrüster (S. 28). Kurzes Fazit: Wer führt, haftet. Und das soll nicht ein autonomes Fahrzeug, sondern der Wagenlenker sein.
Diese Sichtweise bestimmt auch die Change-Strategie in den Unternehmen. Alexander Nagler drückt dies im Interview (S. 35) so aus: „Investitionen in Engineering, Data-Analytics sowie IT. Letztendlich bleibt Human Capital der entscheidende Faktor.“
Es ist eine große Herausforderung, der sich die Unternehmen stellen müssen. Für die Belegschaft gilt es, im Rennen zwischen der eigenen Weiterbildung und dem technologischen Fortschritt mitzuhalten.
Dirk Soltesolte@vvw.de