Erschienen in Ausgabe 3-2017Märkte & Vertrieb

Eigensinn im Sozialismus

Zu wenig soziales Engagement, zu viele Übernahmen – Aufsichtsbehörde stutzt Chinas Versicherer zurecht

Von Heng YanVersicherungswirtschaft

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Entgegen allen sozialistischen Idealen der kommunistischen Regierung lässt das soziale Engagement der meisten Versicherer zu wünschen übrig. Das stellen die Aufsichtsbehörde Circ und die Chinesische Akademie für Sozialwissenschaft im gemeinsam herausgegebenen „Blaubuch zur Gesellschaftlichen Verpflichtung der Versicherungsunternehmen 2016“ fest. Keiner der untersuchten 137 Versicherer erreicht in der Skala von „Exzellent“, „Beispielhaft“, „Zunehmend engagiert“, „Beginnend“ und „Gesellschaftlich inaktiv“ die Spitzen-Klassifizierung. Mit „Beispielhaft“ schneidet die Ping An noch am Besten ab, ist damit aber allein auf weiter Flur: Mehr als 90 Prozent der Unternehmen fallen in die Kategorien „Beginnend“ oder „Gesellschaftlich inaktiv“. Ausländische Unternehmen oder ausländisch-chinesische Joint-Ventures schneiden am schlechtesten ab. Gesellschaftliches Engagement definiert das Blaubuch danach, ob ein Unternehmen gemeinnützige Projekte fördert oder erschwingliche Policen für Landwirte anbietet, Schulen oder Krankenhäuser in der Haftpflicht versichert, die eigenen Mitarbeiter gut behandelt, Wissen branchenübergreifend zur gemeinsamen Nutzung teilt oder Energie spart.

Geld aus Rentenkassen fließt in reiche Regionen, Arme bleiben arm

Das niedrige Zinsniveau am Markt macht den Sozialversicherungsträgern zunehmend zu schaffen. Nun wurden die steten Appelle an die Regierung, die strenge Anlageregelung zu lockern, endlich gehört. Bereits vergangenes Jahr hat das Ministerium für Sozialabsicherung einige Verordnungen für Investitionen vorbereitet, die Investitionen aus den Rentenkassen in Aktien und Anleihen der Lokalregierungen „in geordneten Bahnen“ ermöglichen sollen. Der Hintergrund: Neben dem einheitlichen Nationalen Sozialfonds gibt es in jeder Provinz noch lokale Rentenkassen. Viele Experten sehen die Investitionen in Lokalanleihen allerdings sehr kritisch, viele Lokalregierungen sind bereits maßlos überschuldet, von tickenden „Schuldenbomben“ ist schon länger die Rede. Durch die Deregulierung werden in den kommenden zwei Jahren umgerechnet rund 270 Mrd. Euro „freigesetzt“, schätzen die Experten. Davon fließen voraussichtlich rund 82 Mrd. Euro in den Aktienmarkt. In fünf Jahren erreichen die liquiden Mittel aus den Rentenkassen nach Prognosen ein Volumen von rund 1,4 Mrd. Euro. Man erwartet dadurch nicht nur eine kräftige Belebung des Kapitalmarktes, sondern auch einen Schub für das reale Wirtschaftswachstum. Bevorzugt soll in Lokalanleihen und dort in Maßnahmen…