Erschienen in Ausgabe 3-2017Schlaglicht

Bloß nicht die Schadenstelle aufräumen

Erfahrungen aus 25 Jahren Schadenmanagement zeigen einen veränderten Umgang mit Großbränden

Von Elmar SittnerVersicherungswirtschaft

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Der ehemalige VDVM-Präsident Peter Wesselhoeft hat bereits 2012 ein kritisches Statement zur Regulierungspraxis bei Großschäden abgegeben.1 Im Kern ging und geht es darum, dass nicht nur in Einzelfällen, sondern zunehmend häufig Meinungsverschiedenheiten zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer entstehen. Die früher vorherrschende Großzügigkeit, bei der Versicherer gerade im Schadenfall versucht haben, deutlich zu machen, welchen Nutzen sie für die versicherungsnehmende Wirtschaft in solchen Notlagen haben, ist zwar nicht gänzlich verschwunden, aber erheblich seltener geworden.
Was ist der Auslöser dieser Entwicklung? Versicherungsmakler und Berater weisen oft mit Stolz darauf hin, dass sie als Versicherungseinkäufer des Kunden für entsprechenden Wettbewerb sorgen und damit zu niedrigen Prämien beitragen. Sehr große Versicherungsnehmer sind mit Hilfe eigener Abteilungen oder Inhousebrokern selbst in der Lage, die Märkte entsprechend zu nutzen. Die Folge war ein jahrzehntelanger Rückgang der Versicherungsprämien, insbesondere in der industriellen Sachversicherung, aber auch in anderen Sparten. Seit einigen Jahren nun gehen auch die Kapitalerträge stetig zurück, bis hin zu der derzeitigen Situation, dass die Versicherer sogar noch eine „Aufbewahrungsgebühr“ für die Anlage von Geld entrichten müssen. Hinzu kommen die Solvency-II-Anforderungen, die fast schon eine Verpflichtung zur Profitabilität mit sich bringen. In dieser Situation ist jeder Versicherer also einerseits gezwungen, seine Kosten des Geschäftsbetriebes zu überprüfen und andererseits die weitere Hauptausgabenposition, nämlich die Schadenzahlungen, zu mindern.

Erfordernisse nach Sparte und Schadenart beachten

Unter Schadenmanagement verstehe ich die Einleitung, Organisation und Überwachung sämtlicher Prozesse und Maßnahmen, die nach Schadeneintritt erforderlich sind, bis hin zum endgültigen Abschluss des Schadenfalles. Dies ist eine verengte Sicht, die sich also auf die reine versicherungstechnische und versicherungsrechtliche Abwicklung eines Schadens bezieht. Selbstverständlich können nach versicherungsmäßigem Abschluss eines solchen Schadens immer noch Maßnahmen erforderlich sein, den tatsächlichen Schaden zu beseitigen. Ein Schaden wird tatsächlich erst dann vollständig beendet sein, wenn der Normalbetrieb gänzlich wiederhergestellt ist. Auch sei hier angemerkt, dass ein erweiterter Blick auf das Schadenmanagement die Aussage erlaubt, dass dieses schon vor Abschluss des…