Erschienen in Ausgabe 3-2017Unternehmen & Management

Neue Produktwelt für eine halbe Million zusätzliche Pflegebedürftige

Die Einstufung der Pflegebedürftigkeit wurde revolutioniert – auch die Tarifkalkulation muss neu konstruiert werden

Von und Mariko WassyVersicherungswirtschaft

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Statt der bisherigen drei Pflegestufen gibt es seit dem 1. Januar 2017 einen ganz neuen Pflegebegriff auf Basis von fünf Pflegegraden. Für die Pflegebedürftigen stellt die neue gesetzliche Regelung eine enorme Verbesserung dar. Durch die Umstellung von „Minutenkonten“ zu einem Selbständigkeitsbegriff werden nun sowohl körperliche wie auch kognitive und psychische Einschränkungen bei der Einordnung in einen Pflegegrad berücksichtigt.
Eine gesetzliche Neuausrichtung des Pflegebegriffs erfordert auch in der privaten Versicherungswirtschaft Anpassungen: Die private Pflegerentenversicherung hat sich in einem Umfeld entwickelt, das vor allen Dingen auf den Definitionen der Pflegestufen basiert. Daneben gibt es noch alternative Leistungsauslöser wie beispielsweise die so genannten ADLs (Activities of Daily Living – Aktivitäten des täglichen Lebens) oder individuelle Demenzdefinitionen. Jedoch werden die allermeisten Anträge auf private Versicherungsleistungen mit einem Gutachten des MDK (Medizinischer Dienst der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung) eingereicht, das eine Pflegestufe bescheinigt. Auch das Leistungsspektrum ist in den meisten privaten Versicherungsprodukten abhängig von Pflegestufen.

Neue Rechnungsgrundlagen mit alter Pflegetafel

Da es in Zukunft keine Klassifizierung in Pflegestufen mehr geben wird, müssen die derzeitigen Pflegerentenprodukte angepasst bzw. neu entwickelt werden. Es liegt nahe, ähnliche Produkte auf den Markt zu bringen, die anstelle eines Erreichens einer Pflegestufe nun beim Erreichen eines Pflegegrades eine bestimmte Rentenhöhe zahlen (die meist in Prozent der Leistung in dem höchsten Pflegegrad definiert ist, d.h. hier in Prozent der Leistung in Pflegegrad 5).
Um den Preis solcher Produkte zu kalkulieren, werden neue Rechnungsgrundlagen benötigt. Da der Pflegebegriff auf Basis der Pflegegrade jedoch neu eingeführt wird, gibt es naturgemäß keine Bestandsinformationen, aus welchen sich auf klassischem Wege Rechnungsgrundlagen herleiten lassen. Es ist ebenfalls erst einmal unklar, wie der Umgang mit Versicherungspolicen ist, die bereits im Bestand sind und die auf dem nun nicht mehr geltenden Sozialgesetzbuch (SGB)-Pflegebegriff basieren. Für diese Policen würde mit dem Ende der bisherigen MDK-Gutachten für Pflegestufen ein zentrales Element der Leistungsprüfung wegfallen.
Die Basis einer neuen Pflegetafel für Pflegegrade kann eine bisher genutzte, aktuelle Pflegetafel für Pflegestufen sein. Die Herausforderung liegt dann…