Erschienen in Ausgabe 3-2017Märkte & Vertrieb

Nur schlecht auf dem Papier

Portfolio der Lebensversicherer rutscht Richtung Risiko, auch wegen Regulierung und Rating

Von Tobias VollmerVersicherungswirtschaft

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Infolge der gesunkenen Marktzinsen wird seit einigen Jahren verstärkt über die Sicherheit der deutschen Lebensversicherer diskutiert. Diese stehen vor der Herausforderung, mit ihren Investments hinreichend hohe Erträge zu erzielen, um die extrem langlaufenden Zahlungsversprechen bedienen zu können. Seit 1995 ist der Anlagezinssatz, zum Beispiel jener von 10-jährigen Bundesanleihen, deutlich abgesunken, während der durchschnittliche Garantiezins im Bestand im selben Zeitraum nur vergleichsweise langsam zurückging. Zwar investieren die Lebensversicherer nicht nur in zehnjährige Bundesanleihen, sondern erwerben in der Regel länger laufende Anleihen verschiedener Emittenten mit einem gewissen Renditeaufschlag.
Doch verdeutlicht diese Gegenüberstellung das grundsätzliche Problem der Branche: Die Leistungsversprechen der Passivseite stellen eine erhebliche ökonomische Herausforderung dar, die durch die Anforderungen des Aufsichtsrechts unter Solvency II und der Einführung der Zinszusatzreserve 2011 noch einmal verschärft wurde. Wir haben daher untersucht, wie die deutschen Lebensversicherer mit ihrer Anlagepolitik auf diese Herausforderungen reagieren und dabei insbesondere die Ratingstruktur der Rentenanlagen betrachtet, die ca. 90 Prozent der Kapitalanlagen ausmachen. Analysiert wurden Lebensversicherer, deren Kapitalanlage-Portfolio Assekurata im Rahmen von Rating-Projekten umfangreich erfasst hat. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich von 2011, dem Jahr, ab dem die Zinszusatzreserve gebildet werden musste, bis 2015. Die Verteilung der Renteninvestments auf die einzelnen Rating-Klassen zeigt Abbildung 1 im Jahr 2011, wobei die Rating-Kategorien unterhalb der Investment Grade, schlechter als BBB, als „High Yield“ zusammengefasst wurden; Anleihen ohne Rating und Hypotheken, Policendarlehen, Termingelder und Bareinlagen bilden eigene Kategorien.

Nicht jeder hat umgeschichtet

Die hohen Anstiege im BBB-Segment sowie die leichte Zunahme im Bereich der High-Yield-Investments lassen auf eine erhöhte Risikoexponierung in den Kapitalanlageportfolios der deutschen Lebensversicherer schließen. Zur besseren Quantifizierung dieses Risikos haben wir die Durchschnittsratings der einzelnen Jahre berechnet. Hierzu nutzten wir die „Moody’s Weighted Average Rating Factor (WARF)“-Methode, die es ermöglicht, aus der Einteilung in ordinal skalierte Ratingkategorien einen Durchschnitt zu berechnen. Die WARF-Scores der einzelnen Ratingklassen geben dabei die idealisierten…