Erschienen in Ausgabe 3-2017Unternehmen & Management

Über den Tellerrand schauen

Lebensversicherer brauchen neue Produktkonzepte – ausländische LV-Märkte machen vor, wie es gehen kann

Von Versicherungswirtschaft

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Die Bedeutung der finanziellen Unabhängigkeit im Alter ist in den vergangenen Jahren vor dem Hintergrund stagnierender Renten, der Diskussion eines immer späteren Renteneintritts und der demografischen Entwicklung weiter gestiegen. Obwohl ein Großteil der Bevölkerung die Altersarmut fürchtet, sparen die meisten weniger als sie selbst für ausreichend halten. Medien verkünden aufgrund der Niedrigzinsphase bereits den „Untergang der Lebensversicherung“. Die notwendige Absenkung des Höchstrechnungszinses von 1,25 Prozent auf 0,9 Prozent seit 1. Januar 2017 trägt zusätzlich dazu bei, dass die kapitalgedeckte Altersvorsorge zunehmend unter Druck gerät.
Ein Rechenbeispiel: Bei einer angenommenen Verzinsung von fünf Prozent pro Jahr verdoppelt sich das eingezahlte Kapital innerhalb von 15 Jahren, auf dem Zinsniveau von 0,9 Prozent benötigt man für die Verdopplung 77 Jahre – mehr als die fünffache Zeit! Das „Dilemma“ von sinkendem Absicherungsniveau in der gesetzlichen Rente auf der einen und Niedrigzinspolitik auf der anderen Seite führt zu einer Art „Schockstarre“ in der Bevölkerung. Um sich aus dieser Zwickmühle zu lösen, gibt es verschiedene Ansätze:
Für die wenigsten stellen die ersten beiden Punkte – aufgrund nicht verfügbaren Einkommens – eine Option dar. Auch der dritte Punkt erscheint wenig erstrebenswert. Es bleibt nur, die Altersvorsorge intelligent zu strukturieren.

Regulatorik fordert LV zusätzlich

Auch in Zeiten historisch niedriger Zinsen ist es möglich, gute Renditen zu erzielen. Um einen effizienten Vermögensaufbau zu betreiben, kommt es vor allem darauf an, früh staatliche Förderung zu nutzen und am Kapitalmarkt zu partizipieren. Früh anfangen, ist wohl der einfachste und wichtigste Punkt in der Altersvorsorge. So muss ein 45-jähriger Sparer bereits rund 88 Prozent mehr pro Monat und insgesamt 20 Prozent mehr sparen (bei einer Verzinzsung von drei Prozent und Endalter 67 Jahre) als ein zehn Jahre jüngerer.
Auf Seite der Versicherungsunternehmen gibt es zusätzlich zu der Niedrigzinsphase weitere Herausforderungen. Die zunehmenden regulatorischen Maßnahmen, wie z.B. das Lebensversicherungs-Reformgesetz (LVRG), zwingen Versicherer an vielen Stellen ihres Geschäfts zum Umdenken. Dabei ist ein klarer Trend der Absenkung von Abschlussprovisionen – bei gleichzeitiger Erhöhung der Bestandsprovision – zu erkennen.
Darüber hinaus müssen die Versicherer bis Anfang 2018 die „Insurance Distribution Directive“ (IDD) umsetzen. Diese stellt den Kunden noch stärker…