Erschienen in Ausgabe 3-2017Märkte & Vertrieb

May schreibt Abschiedsbrief

Unterhaus winkt Brexit-Gesetz durch, Großbritannien verlässt die EU ohne jegliche Abkommen

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Anfang Feburar hat das britische Unterhaus Premierministerin Theresa May die Vollmacht übertragen, die Brexit-Verhandlungen einzuleiten. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde von den Abgeordneten mit 494 zu 122 Stimmen angenommen, ohne eine einzige Änderung. Auch die oppositionelle Labour-Fraktion stimmte überwiegend für das Gesetz, was die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon verärgerte: „Wie? Sie haben den Tories gerade einen Blanko-Scheck ausgestellt. Sie haben kein einziges Zugeständnis bekommen und trotzdem für den Gesetzentwurf gestimmt. Erbärmlich“, twitterte sie. Die britische Regierung feierte den Ausgang der Abstimmung als „historisch“. Das Gesetz war notwendig, weil das höchste britische Gericht dem Parlament das letzte Wort über die Austrittserklärung zugesprochen hatte. Nun muss noch das Oberhaus zustimmen – was als sicher gilt. Bis zum 7. März soll das Gesetz verabschiedet werden. Spätestens Ende März will May dann die Scheidung Großbritanniens von der EU einreichen.
Nach der Abstimmung zog die britische Währung an. Seit dem Referendum ist der Pfund-Kurs gegenüber dem Euro und dem US-Dollar eingebrochen: von ca 1,50 auf ca 1,22, also um 18,7 Prozent. Importeure werden den weicheren Pfund-Kurs an ihre britischen Kunden weitergeben. Hieraus sollte ein beträchtlicher Sprung im Lebenshaltungskosten-Index entstehen, wohl mit der Folge, dass sich reservierte Long-Tail-Schäden entsprechend verteuern werden. In der Regel sind die Rückversicherer gegen den Effekt durch Index-Klauseln und Schadenexcedenten abgesichert, welche die Priorität (und auch die Haftung) im Gleichschritt mit der gemessenen Inflation wachsen lassen, wenn auch erst nach Überschreitung einer zehnprozentigen Franchise.

Pensionsfondsdefizit dank Brexit leicht rückläufig

Monatlich publiziert der sich aus Zwangsumlagen finanzierende britische Pensions-Sicherungsfonds Zahlen zu den ihm angehörenden 5.974 Einzelfonds. Zum Dezember 2016 verfügten diese im Aggregat über ein Vermögen von 1.443,1 Mrd. Pfund, dem allerdings Verbindlichkeiten von 1,637,8 Mrd. Pfund gegenüberstanden, woraus sich ein Gesamt-Defizit von 275,9 Mrd. Pfund bzw. ein Deckungsgrad von 88,1 Prozent errechnen. Auch wenn 4.272 Fonds ein Defizit aufwiesen, herrschte bei 1.522 Fonds noch eine Überdeckung.
Der Brexit scheint die Unterdeckung etwas reduziert zu haben: Die Rendite auf britische Staatsanleihen ist um ca. einen Prozentpunkt geklettert, was eine stärkere Diskontierung der über Jahrzehnte laufenden…