Erschienen in Ausgabe 2-2017Trends & Innovationen

Schaden-Prisma Januar 2017

Axel, Dieter und Egon: Die Kältewelle und ihre drei Verbündeten hatten Europa fest im Griff

Von Dominic EggerVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Die gute Position direkt auf der Düne wurde dem Imbiss zum Verhängnis: Orkan Axel, der Europa gleich zu Jahresbeginn heimsuchte, hatte eine Sturmflut im Gepäck, die jene aus dem Jahr 2002 und 2006 noch übertraf. Am Steilufer von Zempin ist, wo vorher Dünen waren, ein bis zu fünf Meter hohes Kliff entstanden. Mit einem Schaden von weniger als 50 Mio. Euro klassifiziert Meyer­thole Siems Kohlruss (MSK) Axel als „non-event“ ein. Auf Axel folgte Dieter, und dann kam Egon: Werte um 100 Mio. Euro zerstörte das Sturmtief in zwölf Stunden, sagt MSK. Aon Benfield kommt sogar auf 140 bis 160 Mio. Euro. In Südwestdeutschland erreichte der Sturm mit bis zu 148 Stundenkilometern Orkanstärke, bis zu 50 Mal musste die Feuerwehr in Hessen wegen umgestürzter Bäume ausrücken, in Baden-Württemberg wurden in der Sturmnacht 400 Einsätze erfasst.
Die Bahn musste ihre ICEs auf 200 Stundenkilometer drosseln, einzelne Strecken in Hessen und Niedersachsen wurden ganz gesperrt. Auch in Bayern sorgte Egon für ein Verkehrschaos, in Franken für Stromausfall. Allein die VKB rechnet mit 7.000 Schäden in Höhe von rund sechs Mio. Euro. Für die deutschen Alpen gab die Lawinenwacht Warnstufe drei von insgesamt fünf aus. Auf der Nordsee setzten sieben Meter hohe Wellen dem Kreuzfahrtschiff Aida Prima zu: Ein Pool schwappte über, drei Passagiere wurden verletzt.
Mehr als 330.000 Haushalte nahm Egon in Nordfrankreich vom Netz, bevor Energieministerin Ségolène Royal es ihm nachtat: Stundenweise wurden einzelne Regionen abgeschaltet, um einen Netz-Kollaps zu verhindern. Die eisigen Temperaturen hatten die Franzosen dazu gebracht, ihre weit verbreiteten Elektro-Heizungen höher zu stellen. Die Kälte treibt zudem den Strompreis auf eine seit 2008 nicht gekannte Höhe.
In Italien kommt die von Erdbeben heimgesuchte Region Abruzzen nicht zur Ruhe, auch wegen des Winters: Nach einem erneuten Erdbeben verschüttete eine Lawine ein Hotel im Ort Farindola. Zudem stürzte ein Hubschrauber, der einen Skifahrer gerettet hatte, wegen dichten Nebels ab: Sechs Menschen starben.
Auf Usedom sollen die Schäden bis zu Saisonbeginn nach Regierungsangaben wieder behoben sein, sicher auch mithilfe einer schnellen Regulierung durch die Versicherer.

Halbleiter-Hersteller erleidet Brandschaden von 30 Mio. Euro

Kurz vor Jahreswechsel verzehrte ein Feuer die Produktionsanlage der Deutschland-Niederlassung von Unimicron, einem chinesischen Leiterplatten-Produzenten. Brandschutzmauern vor einem Chemikalien-Lager verhinderten…