Erschienen in Ausgabe 2-2017Köpfe & Positionen

Bürgerversicherung löst keine Probleme

Zu Unternehmen & Märkte: „Erhöhte Temperatur“, .

Von Miriam MichelsenVersicherungswirtschaft

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Das deutsche Gesundheitssystem gilt immer noch als eines der besten der Welt. Die große Mehrheit der Bürger und Ärzte hierzulande beurteilt dessen aktuelle Leistungsfähigkeit positiv. Aber: Die momentane Zufriedenheit der Bürger mit dem Gesundheitssystem darf nicht dazu führen, dass die Parteien die strukturellen Probleme nicht angehen. Die Bürgerversicherung als Reformansatz zur Umgestaltung der Krankenversicherung etwa wird seit Jahren von der Politik immer mal wieder diskutiert – gerade in Wahlkampfzeiten führen Politiker die Bürgerversicherung oft als vermeintlich „gerechteres“ System zur Vermeidung einer sogenannten Zwei-Klassen-Medizin an. Doch der Ansatz wurde bereits bei der Wahl 2013 von der politischen Realität überholt.
Aktuell scheinen sich jedoch die SPD-Genossen von ihrem ursprünglichen Vorhaben, die private Krankenversicherung abzuschaffen und in einem Schritt eine Bürgerversicherung einzuführen, wieder zu verabschieden – denn das würde auch verfassungsrechtliche Probleme mit sich bringen. Stattdessen sollen nun laut einer Studie der Friedrich-Ebert-­Stiftung die beiden Systeme ange­glichen bzw. die private Krankenversicherung für Ärzte und Patienten weniger attraktiv gestaltet werden. Letztlich ist das Modell einer Bürgerversicherung generell zu kurz gesprungen: Sie gibt keine Antworten auf die strukturellen Finanzierungsprobleme unseres Gesundheitswesens. Vor allem die Herausforderungen, die mit dem demografischen Wandel in der gesetzlichen Krankenversicherung entstehen, bleiben ungelöst. Nur weil in der Bürgerversicherung plötzlich mehr Personen Teil eines absehbar schwächelnden Systems sind, wird es noch lange nicht besser.
Die Politik sollte vielmehr beginnen, die GKV – innerhalb des bewährten dualen Systems im Gesundheitswesen – demografiefest zu machen und bei Versicherten das Kostenbewusstsein bei der Nachfrage nach Gesundheitsleistungen zu schärfen. Natürlich ist zugleich auch die PKV stetig weiterzuentwickeln. Ihre grundsätzlichen Vorteile sind aber auch heute nicht von der Hand zu weisen und in vielen Fällen ist sie für Versicherte auch die deutlich bessere Wahl. Eine darauf fokussierte PKV-Branche hat auch weiterhin eine gute Perspektive im Geschäft mit Vollversicherungen – sofern die Rahmenbedingungen von der Politik nicht komplett verändert werden. Hinzu kommt natürlich das Potenzial bei Zusatzversicherungen.
Grundsätzlich wäre eine Konsolidierung nicht unmittelbar mit Nachteilen für PKV-Interessenten verbunden, denn ein…