Erschienen in Ausgabe 2-2017Köpfe & Positionen

Höhere Risiken sind nicht attraktiv

Zu Titelreport: „Kein Appetit auf Risiko“, .

Von Dr. Stephan KalbVersicherungswirtschaft

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Um das gesunkene Zinsniveau zu kompensieren, müssen Versicherer höheres Risiko eingehen. Das ist kein einfaches Unterfangen, weil nicht nur in allen Anleihekategorien der Marktzins gesunken ist, sondern auch die Renditen anderer Asset-Klassen unter Druck geraten sind. Neben dem Eingehen höherer Risiken können Versicherer vermehrt in weniger liquide Anlagen oder in Anlagen mit längerer Laufzeit investieren, da diese, ceteris paribus, höhere Renditen aufweisen als vergleichbare Anlagen mit hoher Liquidität und kurzen Laufzeiten. In der Praxis werden diese Entscheidungen im Spannungsfeld von Rendite, Risiko, Liquidität und Duration getroffen, als auch in Abstimmung mit den Erfordernissen der Passivseite der Bilanz. Um jederzeit die Verpflichtungen gegenüber den Kunden zu erfüllen, müssen Versicherer bei der Auswahl der Kapitalanlagen darauf achten, dass die erwarteten Zahlungsströme mit den erwarteten Zahlungsverpflichtungen korrespondieren. Bei Lebensversicherern müssen diesbezüglich auch die Garantieversprechen an die Kunden und die Erfordernisse der Zinszusatzreserve berücksichtigt werden.
Solvency II ist ein zusätzlicher Einflussfaktor bei der Auswahl der Kapitalanlagen, sollte aber bei Versicherern, die wertorientiertes Kapitalmanagement betreiben, die Kapitalanlagepolitik kaum beeinflussen. Werden Anlageentscheidungen im Hinblick auf ihre Wirkung auf die risikogewichtete Eigenkapitalrendite gefällt, muss eine riskantere Anlage mehr Ertrag bringen, als der von ihr ausgelöste zusätzliche Kapitalbedarf kostet. Doch bei welchen Anlageklassen sind erhöhte Risikoprämien erzielbar? Fitch Ratings hat in seinen Analysen festgestellt, dass sich die Asset-Allocation in den letzten Jahren kaum geändert hat. Festverzinsliche Anlagen weisen nach wie vor einen Anteil von ca. 80 Prozent auf. Vereinzelt haben Versicherer die Aktienquoten oder die Immobilienquoten erhöht, der Branchendurchschnitt ist unverändert. Der Anteil an alternativen Assets, wie Investitionen in Infrastruktur oder erneuerbare Energie ist im Branchenschnitt nach wie vor unwesentlich. Demgegenüber haben sich die Strukturen innerhalb der festverzinslichen Anlagen verschoben. Versicherer haben in weniger liquide Anlagen umgeschichtet und die durchschnittliche Duration des Bestandes erhöht. Beide Maßnahmen wirken tendenziell renditeerhöhend. Ferner haben sich die durchschnittlichen Ratings leicht verschlechtert.
Die Verlängerung der Duration dient auch der Reduktion des Wiederanlagerisikos. Trotz der…