Erschienen in Ausgabe 2-2017Unternehmen & Management

Leitplanken mit Schwachstellen

Bafin-Hinweise für alternative Investments, Derivate und strukturierte Produkte in der Kritik

Von Özcan DalmisVersicherungswirtschaft

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Mit den „Hinweisen zur Anlage des Sicherungsvermögens“ (K16/2016) und den „Hinweisen zur Nutzung von derivativen Finanzinstrumenten und zur Anlage in strukturierten Produkten“ (K17/2016) der Bafin ist die Pflicht zur Anwendung der Anlageverordnung (AnlV) und der zugehörigen Rundschreiben mit Solvency II für normale Versicherer weggefallen. Es ist zu vermuten, dass die Aufsicht für die Anpassung der Rundschreiben zu wenig Zeit investiert hat. Da die Rundschreiben außerdem über die Jahre wie ein Flickenteppich entstanden sind, ist es nicht verwunderlich, dass aktuell einige logische Schwachstellen vorhanden sind.
Zum Beispiel sind die aktuelle Situation am Kapitalmarkt sowie die Förderungsziele der Politik nicht vereinbar mit der Benachteiligung von sicheren Pass-Through-Konstruktionen für Mittelstand und Infrastrukturprojekte. Insgesamt kann aber festgehalten werden, dass die Anwender durch die Bafin eine gute Basis erhalten haben, um der schwierigen Kapitalmarktsituation zu trotzen. Die erhöhten Anforderungen an das Management, auf die hier aus Vereinfachungsgründen nicht eingegangen wurde, dienen diesem Zweck zusätzlich. Viele Solvency-II-Versicherer orientieren sich in ihren internen Anlagerichtlinien immer noch an der AnlV und den angebundenen Rundschreiben, da sie sich als „Leitplanken“ bewährt haben. Der Anlagekatalog von K 16/2017 ist in der Abbildung nach Liquidität und Sicherheit vereinfacht systematisiert, soweit anwendbar.

Erfüllung von Renditeversprechen immer schwieriger

Es wird aufgrund des seit Jahren andauernden niedrigen Zinsumfeldes für Unternehmen der Altersvorsorge immer schwieriger, die hohen Renditeversprechen an die Kunden zu erfüllen. Daher sind insbesondere alternative Fixed-Income-Anlagen beliebt. Sie weisen nicht nur mehr Rendite aufgrund von höherer Illiquidität und Marktineffizienzen auf, sondern bringen auch oft eine ordentliche Duration mit. Hierzu gehören z.B. Infrastrukturdarlehen, in die direkt investiert werden kann, wenn man sich die Kosten eines externen Managements sparen will und die entsprechenden Ressourcen selbst aufbringen kann. Die AnlV bietet hierfür neu die Nummer 4c des Anlagekatalogs (§ 2 Abs. 1 AnlV). Eine Voraussetzung ist, dass die Darlehen ausreichend dinglich oder schuldrechtlich gesichert sein müssen.
K 16/2017 nennt als ein Beispiel für die ausreichende Sicherheit Unternehmen mit einer Speculative-Grade-Bonität (unterhalb BBB-/Baa3 aber nicht unterhalb B-/B3). Die 4c-Darlehen werden klar abgegrenzt von den…