Erschienen in Ausgabe 2-2017Unternehmen & Management

Früher über Schulden reden

Central kooperiert mit Schuldnerhilfe Köln

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Überschuldung ist etwas, über das man nicht gerne spricht, nicht mit der Bank, nicht mit den Freunden, nicht mit den Verwandten, ja, sogar nicht einmal mit sich selbst. „Die Menschen realisieren oft nicht, in was sie da hineingeraten“, sagt Michael Eham. „Das hat mit Verdrängung zu tun und mit Ängsten. Eham ist Geschäftsführer der Schuldnerhilfe Köln. Der 1988 von Verbraucherberatern, Bewährungshelfern und dem Wohnungsamt der Stadt Köln gegründete Verein betreibt seit zehn Jahren eine Schuldenhelpline. Jährlich betreut der der Arbeiterwohlfahrt nahestehende Verein gut 2.500 überschuldete Menschen. 56 Prozent von ihnen stehen kurz vor der Zwangsvollstreckung, bei 44 Prozent der Ratsuchenden wird die Zwangvollstreckung bereits vollzogen.
Nach den Experimenten mit den Billigtarifen ist die Überschuldungsproblematik auch bei den privaten Krankenversicherern angekommen. 2013 zählten die Krankenversicherer 149.000 Menschen, die ihre Beiträge zur Krankenversicherung nicht bezahlten. Damals führte die Bundesregierung den Notlagentarif ein, der überschuldeten PKV-Kunden eine medizinische Notversorgung bietet. Die Leistungen sind auf das Nötigste beschränkt, nur die Behandlung akuter Erkrankungen oder Schmerzzustände wird erstattet.
Die Zahl der Beschwerden darüber ist erstaunlich gering. 48 Eingaben im Zusammenhang mit dem Notlagentarif trudelten im Jahr 2015 beim PKV-Ombudsmann ein, dabei ging es unter anderem um die Rezeptkosten eines Diabetikers und die Hüftoperation einer an Arthrose erkrankten Frau. In beiden Fällen gab der Privatversicherer nach dem Einschalten des Ombudsmann nach.
Seit Oktober letzten Jahres kooperiert die Central mit der Helpline der Kölner Schuldnerhilfe. Treten gehäuft Zahlungsstörungen auf, verschickt der Versicherer Hinweise auf den Schuldenhilfeverein. Die Central zählt derzeit 9.000 Menschen im Notlagentarif. Ende 2014 waren es noch 10.000 gewesen. Der Kölner Versicherer gehört damit zu den Unternehmen, die am stärksten von der Überschuldungsproblematik betroffen sind. Die Zahl der Versicherten im Notlagentarif ist der zweithöchste Wert der Branche, doch gemessen an den Beitragseinnahmen ist die Central nur die Nummer sechs im Markt, nach der Zahl der Vollversicherten die Nummer neun. „Aufgrund der geringeren Zunahme der Beitragsaußenstände und der in den letzten Jahren von der Central erfolgreich initiierten ursachen- und wirkungsbezogenen risikopolitischen Maßnahmen wird das Risiko, dem auch bilanziell Rechnung getragen wird…