Erschienen in Ausgabe 2-2017Unternehmen & Management

Altlasten diskret entsorgen

Run-off-Markt harrt auf seinen großen Durchbruch

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Notfalls ein Ende mit Schrecken statt ein Schrecken ohne Ende: Abgeber alter Exponierungen verfolgen das Ziel der rechtlichen und wirtschaftlichen Finalität. Derzeit geht es vielen Gesellschaften noch zu gut, als dass sie sich auf derartige Transaktionen besinnen würden, in einem weichen Markt und bei Verschärfungen von Solvency II wäre allerdings mit steigender Nachfrage zu rechnen. Bislang erforderten Alt-Rückstellungen keinerlei Kapitalbedeckung.

Willige Übernehmer

Die Motivation des Abgebenden liegt auf der Hand, aber warum finden sich so viele Firmen, die bereit sind, sich mit derartig Lästigem und Ungewissem über Jahrzehnte zu befrachten? Die Spezialisten und die hinter ihnen stehenden Financiers (z.B. Pensionsfonds) trachten danach, etwas zu erwerben, das entsprechend den Betriebskosten und den Eigenkapitalanforderungen des Abgebenden bepreist ist. Gelingt es ihnen, den Run-off was die Verwaltungs-Kosten oder die Schäden angeht, günstiger zu bewerkstelligen als der Abgeber plante, so ist dies ihr Gewinn. Ebenfalls von Vorteil ist es, wenn sie die Abwicklungsgeschwindigkeit steigern können und so das benötigte Kapital weniger lang als geplant vorhalten müssen. Schließlich trachten sie auch danach, hinsichtlich der Investments härter am aufsichtsrechtlichen Wind zu segeln als dies der Veräußerer zu tun wagte. So werden unrentierliche Staatsanleihen durch Infrastruktur- und Alternative-Energy-Bonds ersetzt oder direkte Hypotheken vergeben. Insbesondere bei Haftpflicht-, Lebens- oder Rentenportefeuilles kommen rasch Milliarden an anlagefähigen Mitteln zusammen.
Synergien ergeben sich aus der Kombination mehrer Portefeuilles von verschiedenen Abgebern. Dies betrifft nicht nur die operativen Kosten, sondern auch das Eigenkapital, jedenfalls wenn bei Zusammenschüttung der Portefeuilles Diversifikationseffekte genutzt werden.

247 Milliarden Euro im Run-off

Denkbar sind drei Vorgehensweisen. Zum einen gibt es reine Rückversicherungslösungen. An der Bruttohaftung für die Reserven ändert sich nichts, aber der Rückversicherer übernimmt diese entweder proportional (100-prozentige Quote) oder nicht-proportional (Adverse Development Cover). Üblich sind auch Portefeuilleübertragungen mit aufsichtsbehördlicher Genehmigung. Der Übernehmer, eine zugelassene Versicherungsgesellschaft, tritt dann privativ in bestehende Schuldverhältnisse ein, ohne dass es noch der Zustimmung der betroffenen Versicherungsnehmer bedürfte. Als Drittes ist auch der Erwerb einer ganzen…