Erschienen in Ausgabe 2-2017Köpfe & Positionen

Zur Debatte: Demografie vorwärts gedacht

„Die Rente ist besser als ihr Ruf“

Von Jens SpahnVersicherungswirtschaft

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Zur Debatte: Demografie vorwärts gedacht

„Die Rente ist besser als ihr Ruf“

Im Jahr der höchsten Rentenerhöhung seit 23 Jahren schaffen wir es in Deutschland, so über Rente zu diskutieren, dass die halbe Republik glaubt, ab nächstem Monat sind alle altersarm. Um es klar zu sagen: Es geht den Rentnerinnen und Rentnern in Deutschland so gut wie noch nie einer Rentnergeneration zuvor. Auch im Vergleich zu den meisten unserer europäischen Nachbarn läuft es bei der Rente hierzulande ausgesprochen gut. Als Kind der 80er Jahre, das die Anfänge der Bundesrepublik nur aus Erzählungen kennt, wundert es mich manchmal, wie schnell vergessen wird, unter welchen Bedingungen die Generation unserer Großeltern nach dem Krieg lebte.
Vor über zehn Jahren haben wir unser Rentensystem im Konsens verändert, auf eine breite Basis gestellt. Mit mehr privater Vorsorge, weniger stark steigenden Renten, einer maximalen Höhe des Beitragssatzes und einem schrittweise auf 67 steigenden Renteneintrittsalter. Eine Reform übrigens, um die uns viele andere Länder beneiden. Weil sie vorrausschauend war, weil sie Planbarkeit und Berechenbarkeit schaffte und weil sie die Belastungen über die Generationen hinweg fair verteilte. Diese Lösung wurde nach intensiven Diskussionen in zwei wissenschaftlichen Kommissionen – der Herzog- und der Rürup-Kommission – erreicht. Damals wie heute gibt es drei zentrale Stellschrauben – Rentenniveau, Beitragssatz und Renteneintrittsalter. Bis 2030 haben wir eine solide Grundlage. Vernünftig wäre es, bereits jetzt eine neue Kommission einzusetzen, die sich ausführlich und wissenschaftlich fundiert mit der „Rente ab 2030“ befasst. Ich wünsche mir eine generationengerechte Rentenpolitik, die Wert legt auf Flexibilität und Eigenverantwortung. Dafür ist die aktuelle Einführung der Flexi-Rente ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es ist richtig, am Drei-Säulen-Modell aus gesetzlicher Rente, betrieblicher und privater Altersvorsorge festzuhalten, weil es sich bewährt hat: 70 Prozent der Arbeitnehmer verfügen über eine zusätzliche betriebliche oder private Altersvorsorge, 60 Prozent der Beschäftigten haben Anwartschaften in der betrieblichen Alterversorgung. Knapp 13 Millionen Riesterverträge werden derzeit bespart. Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz will die Bundesregierung private Vorsorge in Form der betrieb­lichen Altersversorgung noch attraktiver machen und die Vorsorgequote erhöhen.

Rente bleibt über Mindestniveau

Eines zeigt sich gerade in…