Erschienen in Ausgabe 2-2017Unternehmen & Management

Alternative Fakten

Trump-Dompteure und digitale Vertriebsexperten beherrschten den diesjährigen Fondskongress in Mannheim

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Trends erfahren, Kontakte knüpfen, Geschäfte anbahnen: So lautet das Programm für jeden Besucher des Fondskongresses, dem Stelldichein der Investmentbranche. Beim Speed-Dating reichte der Trump-Effekt aus, um das Eis zu brechen. Dem neuen Präsidenten und seiner Wirtschaftspolitik widmeten sich auch die meisten Vorträge. „Mit Investitionen in Infrastruktur entstehen kaum Jobs, die USA lebt vom Dienstleistungssektor“, sagte Ethna-Fondsmanager Luca Pesarini. Außerdem herrsche dort Vollbeschäftigung. „Mehr Stimulus in dieser Phase lässt die Wirtschaft überhitzen und führt direkt in die Rezession. Seit 1940 habe jeder republikanische Präsident eine Rezession in seiner Amtszeit durchlebt.“ Fakten, die zum „Short gehen“ verleiten. Am gleichen Tag kletterte der Dow Jones zum ersten Mal in seiner Geschichte über die Marke von 20.000 Punkten.
Den neuen US-Präsidenten könne nur Angela Merkel bändigen, erklärte der Ex-Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. „Wenn sie eine Fähigkeit bewiesen hat, dann ist es die, mit sehr selbstbewussten Männern fertigzuwerden. Da spreche ich aus Erfahrung.“ Leider konnten weder zu Guttenberg noch sein CDU-Parteikollege Friedrich Merz bei ihren US-Analysen über den politischen Tellerrand hinausschauen. Das war auch nicht zu erwarten. Schmerzhafter waren da die kurzfristigen Absagen von Uli Hoeneß und Günter Netzer. Dabei hätten die Sportgrößen durchaus von dem inflationären Trump-Faktencheck ablenken können. Somit blieb es politisch, auch bei der WWK, die das Thema fondsgebundene Lebensversicherung zum EZB-Bashing nutzte. „Wir liefern alternative Fakten zur Inflation“, kündigte der Versicherer seinen Vortrag an.

Weniger Vermittler, mehr Potenzial

Die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte. Nach diesem Motto präsentierte auch Sebastian Grabmeier, Vorstandsvorsitzender von Jung, DMS & Cie, seine Ansichten zur Branchendigitalisierung. „Sie wird nicht von Start-ups forciert, sondern von den Kunden selbst.“ Deswegen könne jeder Vermittler selbst die vorhandenen Technologien nutzen, um als Fintech durchzustarten. „Es werden diejenigen den Markt dominieren, die beides können: Technologie und persönliche Beratung. Reine Roboadviser werden sich nicht durchsetzen“, urteilt Grabmeier. Dass jeder zweite Vermittler bis 2025 aus dem Markt ausscheidet, sieht er nicht tragisch: „Gut für diejenigen, die noch im Geschäft bleiben. Denn der Markt wächst weiter, vor allem im B2B2C-Bereich.“ Im Versicherungsvertrieb wurde natürlich auch über das…