Erschienen in Ausgabe 2-2017Köpfe & Positionen

Lebensversicherer sind besser als Banken

Bafin-Präsident Felix Hufeld ist beim Neujahrs-Presseempfang voll des Lobes

Von Dominic EggerVersicherungswirtschaft

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Die Lebensversicherer sind für die “fortdauernde Zinsdurststrecke gerüstet”, sagt Felix Hufeld. Auf dem Neujahrspresseempfang in Frankfurt am Main lobt der Bafin-Präsident die so oft gescholtene Branche. Ihre Eigenkapitalbasis erfolgreich gestärkt hätten die Lebensversicherer, befand Felix Hufeld zu Beginn seiner Rede. Die Banken hingegen müssten beim Eigenkapital noch nachbessern. “Aussitzen ist keine Lösung”, mahnte der Bafin-Präsident. Solvency II sei tatsächlich eine Zumutung für Versicherer. Dazu trage die marktwertbasierte Regulierung bei, sie wirke prozyklisch. Aber die Vorteile überwögen: Das neue Regime bilde Risiken besser ab und mache sie dadurch steuerbar. Die Versicherer seien in der “neuen Aufsichtswelt angelangt”, den Weg dorthin beschreibt Hufeld als Tour de France. Ob Zumutung oder nicht: “Ein Spaziergang wird Solvency II nie werden”, sagte der Bafin-Präsident.
Die Gemengelage aus Niedrigzins und neuen Regeln will die Bafin im kommenden Jahr “aus nächster Nähe” betrachten: Was letztes Jahr noch „Manndeckung“ war, heißt in der Hufeldschen Sprache nun “intensivierte Aufsicht.” Ausreichende Solvenz bei unternehmerischem Spielraum. Diese Maxime leite die Bafin bei der Regulierung von Finanzdienstleistern. Eine gute Entscheidung sei es Anfang Januar gewesen, die endgültige Entscheidung über den Basel-III-Entwurf zu vertagen. Schließlich müsse ein Kompromiss gefunden werden, der möglichst global in der Bankenaufsicht angewandt wird. „Eine regulatorische Rolle rückwärts in Richtung Vorkrisenregulierung wird es nicht geben.“ Allerdings könne eine zu komplexe und dichte Regulierung die flächendeckende Versorgung mit Finanzprodukten gefährden.

Versicherung im Nebenerwerb

Die Bafin interpretiert ihren neuen Auftrag im Verbraucherschutz dahingehend, das Angebot entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu garantieren. Beim Thema Digitalisierung entpuppt sich der Bafin-Präsident als Anhänger Joseph Schumpeters, diese berge als “schöpferische Zerstörung” auch Chancen. Mit Spannung beobachtet die Behörde, welche Glieder der Wertschöpfungskette verschwinden, welche Geschäftsfelder neu entstehen und ob die großen Datensammler als Finanzdienstleister im Nebenerwerb in den Markt eintreten werden. Auf echte Insurtech-Erstversicherer wartet die Bafin noch, sieht man einmal von dem Schließfach-Versicherer Astra-Direkt ab. Dass deutsche Versicherer IT-Sicherheit zu häufig unter Kostenaspekten betrachten, treibt Hufeld Sorgenfalten ins Gesicht. Die Aufgabe, Daten…