Erschienen in Ausgabe 2-2017Märkte & Vertrieb

Feuer im Maschinenraum

In Boomzeiten halten es Industriebetriebe mit den Vorschriften zum Brandschutz nicht mehr so genau

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Die Industrie-Feuerversicherung hat sich in den letzten Jahren zu einem Sorgenkind der Versicherer entwickelt. Wegen der vielen Großschäden machen die Rückversicherer Druck. Im Vergleich zu 2010 hat sich die Zahl der Großschäden verdoppelt, ein Trend, der sich im Jahr 2015 fortsetzte und 2016 auch. Oft haben Feuer menschliche Ursachen.
Eine Ladung leicht enzündliches Cellulosenitrat war die Ursache der folgenreichen Explosion im Hafen von Tianjin am 12. August 2015. Die so genannte Schießbaumwolle ist Bestandteil von Nagellack, von Klebstoffen und wird in der Pyrotechnik eingesetzt. Am Ende wurden 123 Personen von den chinesischen Behörden für das Unglück verantwortlich gemacht, falsche Gutachten und Zollbescheinigungen, Vernachlässigung der Dienstpflichten bis hin zum Machtmissbrauch. Es kam zu einer regelrechten Säuberungswelle.

Feuer hat ein Prämienproblem

Die zwei Brände in zwei Großschlachtereien von Wiesenhof, erst im bayerischen Bogen und ein halbes Jahr später im niedersächsischen Lohne, haben den ohnehin stark unter Druck stehenden Feuermarkt weiter belastet. Der Schaden aus dem Brand in Bogen wird auf einen zweistelligen Millionenbetrag beziffert, das Feuer in Lohne soll ein Loch von 300 Mio. Euro (Zeit Online) verursacht haben. Der Schaden von Bogen konnte nicht aufgeklärt werden. Fahrlässigkeit oder technischer Defekt? Das bleibt offen. Fakt ist, dass die Betriebe von Wiesenhof technisch als State-of-the-Art gelten. Ursache des Feuers in Lohne war ein technischer Defekt. In dem bayerischen Betrieb konnte man nach gut einem Jahr die Arbeit wieder aufnehmen, mit der gleichen Kapazität wie vor dem Unglück.
Weitere Feuer-Großschäden mit hohen Belastungen waren im Februar 2016 der Brand in einem Kraftwerk und im Herbst die Explosion bei BASF. Brände gehören unverändert zu den größten Risiken der Industrie. Dabei entsteht der größte Schaden nicht durch die zerstörten Maschinen und Gebäude, sondern durch die Unterbrechung der Produktion. Betriebsunterbrechungen können für die Betriebe existenzbedrohende Ausmaße annehmen. Wiesenhof hatte drastische Arbeits-Maßnahmen nach dem Brand in Lohne ergreifen müssen. Doch trotz der hohen Schadenbelastung fällt es den Versicherern schwer, die Prämien entsprechend anzupassen. Im Jahr 2015 schrieben die am stärksten betroffenen Industrieversicherer blutrote Zahlen. Fünf Unternehmen hatten Schadenquoten von teilweise deutlich mehr als 100 Prozent.
Grund dafür ist das aggressive Pricing. Beim Industrieversicherer…