Erschienen in Ausgabe 2-2017Märkte & Vertrieb

Industrieversicherer sterben nicht

Auf der Euroforum-Jahrestagung wurde stete Anpassung als Überlebensstrategie beworben

Von Susanne Görsdorf-KegelVersicherungswirtschaft

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Die Haftpflichtversicherung kann sich nach den aktuellen Zahlen zwar noch über niedrige Schadenzahlen und eine gute Combined Ratio freuen. Ausruhen sollte sie sich auf diesen Lorbeeren aber lieber nicht.
Laut dem Statistischen Taschenbuch des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft hatten im Jahr 2015 nur vier der 50 größten Anbieter in der allgemeinen Haftpflichtversicherung eine Schaden-Kosten-Quote von über 100 Prozent, sprich: Die Ausgaben waren höher als die Einnahmen. Im Durchschnitt lag diese Combined Ratio bei 93,2 Prozent. Das war zum dritten Mal in Folge eine Verbesserung des Ergebnisses, wie sich aus den Zahlen des GDV ergibt.
Man könnte sie allerdings auch anders interpretieren und feststellen, dass es nur der vierthöchste Wert der vergangenen Jahre war. Vor zehn Jahren hatten die Haftpflichtversicherer eine Combined Ratio von knapp über 85 Prozent, bis 2011 bewegte sie sich dann um die 90 Prozent. Im Jahr 2015 machten den Versicherern vor allem die Schadenquoten Sorgen, die sich durch eine Verteuerung des Aufwands für Altschäden ergaben (siehe auch Seite 32).

Mahnung und Hoffnung

Dieser Zwiespalt in der Interpretation der Geschäftsjahresergebnisse prägte auch die diesjährige Euroforum-Jahrestagung Allgemeine Haftpflicht, die traditionell zu Jahresbeginn in Hamburg den Auftakt der Konferenzen über die einzelnen Versicherungssparten bildet. Als Keynote-Speaker gab Alexander Mack, Chief Claims Officer der Allianz Global Corporate & Specialty SE, die Marschrichtung der Tagung vor. Er verwies auf die Ergebnisse von 2015 und stellte fest: Die Haftpflichtversicherer könnten zufrieden sein. Sie hätten rückläufige Schadenzahlen und mit einem Durchschnittswert von 1.800 Euro eine relativ niedrige Schadenhöhe, die nur leicht im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sei. 65 Prozent aller Schäden liegen demnach unter 1.000 Euro – dafür lohne es nicht, qualifizierte Mitarbeiter, womöglich mit juristischem Abschluss, für die Schadenprüfung einzusetzen. Die Allianz will deshalb bis zum Jahr 2020 25 Prozent aller Kaskoschäden in der Dunkelverarbeitung haben, bei der keine „menschliche Hand“ mehr beteiligt sei, wie Mack sagte. Schäden würden dadurch viel schneller reguliert und der Kunde könne per Knopfdruck feststellen, wie hoch der Schadenbetrag ausfalle.
Nach diesen schönen Zahlen und Aussichten schockiert Mack mit einem dicken Aber: „Die Industrieversicherung ist auf dem Weg zu sterben.“ Ganz so schlimm wird es dann wohl doch nicht kommen, denn die…