Erschienen in Ausgabe 2-2017Märkte & Vertrieb

Rechenkunststück Rentenversicherung

Langlebigkeitsrisiko erfordert mehr Geschick im Umgang mit Garantierenten

Versicherungswirtschaft

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Die Italienerin Emma Morano-Martinuzzi wurde am 29. November 1899 geboren und ist mit 116 Jahren der letzte lebende Mensch des 19. Jahrhunderts. Wissenschaftler halten sogar Lebensalter von 130 oder 140, ja sogar von 160 Jahren für möglich.
Die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in den entwickelten Ländern verlängert sich alle vier Jahre um zwölf Monate. Zudem haben Forscher des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung (MPIDR) in Rostock herausgefunden, dass das Alter, in dem die meisten Menschen sterben, immer weniger streut: Während beispielsweise im Jahr 1956 die Hälfte aller Frauen innerhalb einer Zeitspanne von 15,7 Jahren rund um das mittlere Todesalter von 70,9 Jahren starben, waren es 2013 nur noch 12,9 Jahre um das Alter 82,9 Jahre. „Das Ausmaß, in dem die Menschen von der Verlängerung des Lebens profitieren, gleicht sich immer mehr an“, sagt Alexander Scheuerlein, der an dem Rostocker MPIDR forscht.

Die Krux mit den Prognosen

Das erleichtert Lebensversicherern die Kalkulation. „Für die Berechnungen der Aktuare ist es weniger wichtig, warum sich die Lebenserwartung verändert, sondern vielmehr wie“, sagt Johannes Lörper, Vorstandsmitglied der deutschen Aktuarvereinigung. „Wir gehen davon aus, dass die verbesserte medizinische Versorgung, eine gesündere Lebensweise, der gestiegene Wohlstand sowie der höhere Bildungsgrad maßgeblich zu einem Anstieg der Lebenserwartung geführt haben. Auch gibt es weniger tödliche Arbeits- oder Autounfälle und es sterben nicht mehr so viele Menschen an den Folgen von schweren Naturkatastrophen oder Pandemien.“
Der Langlebigkeit geht die Zurich in einer Studie nach. „Kinder, die heute geboren werden, haben statistisch gesehen nicht nur eine viel höhere Lebenserwartung als Menschen, die etwa 1950 geboren worden sind“, erläutert Jacques Wasserfall, Leiter Finanzen Aktuariat Leben bei Zurich. „Ihr Leben wird zudem von ganz anderen Effekten bestimmt und beeinflusst werden, als wir heute glauben. Sie könnten deutlich älter werden, als wir uns gegenwärtig vorstellen.“ Dazu kommt die Niedrigzinsphase. Sie verhindert, dass Versicherungsunternehmen auftretende Deckungslücken in der Rentenversicherung durch Zinserträge auffüllen können. Die Frage, die sich unausweichlich für jeden Rentenversicherer ergibt, ist, ob er alle denkbaren Risiken ausreichend berücksichtigt hat, um die Rentenzusagen erfüllen zu können. „Die Grundfrage für Versicherer lautet: Wie viel werden wir brauchen, um Rentenversprechen auch dann…