Erschienen in Ausgabe 2-2017Märkte & Vertrieb

Eingeschränkt kompatibel

Der einst so monolithische deutsche Lebensversicherungsmarkt gleicht heute einem Flickenteppich – dem Absatz tut das nicht gut

Von Monika LierVersicherungswirtschaft

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Trotz aller Zinshoffnungen müssen die Lebensversicherer unverändert ihr Geschäft wetterfest machen. Bafin-Chef Felix Hufeld hält die deutschen Lebensversicherer „im Großen und Ganzen für eine fortdauernde Zinsdurststrecke gerüstet“ und attestiert der Branche kurz- bis mittelfristig ausreichende Standfestigkeit. Doch er schränkt das auch ein: „Was auf die Branche im Durchschnitt zutrifft, muss aber für einzelne Unternehmen – zumal die schwächeren – nicht unbedingt gelten. Der Druck steigt. Da heißt es mobilisieren, was Bilanz und Aufsichtsrecht hergeben. Und mancher Eigentümer wird sich darauf einstellen müssen, das Eigenkapital seines Unternehmens stärken zu müssen.“
Die Aufsicht bewegt sich im Modus der „intensivierten Aufsicht“ – das Neu-Hufeldsche Wort für „Manndeckung“. Neben bilanziellen Hilfen – etwa im Zusammenhang mit Solvency II oder der Berechnung der Zinszusatzreserve – entlastet sich die Branche durch den Verkauf von Beständen oder gar ganzer Gesellschaften an Run-off-Plattformen wie die Heidelberger oder die Frankfurter Leben (Hintergründe auf S. 48).

Überschussbeteiligung im Sinkflug

Auch Kürzungen bei den Kunden schaffen Erleichterung: Jetzt haben Allianz und Zurich Deutscher Herold ihre Rentenfaktoren bei fondsgebundenen Renten ohne Kapitalgarantie bei Verträgen angepasst, die sich noch in der Ansparphase befinden. Nach Presseberichten betrifft dies rund 700.000 Allianz-Kunden, die zwischen 2001 und Ende 2011 eine fondsgebundene Rentenversicherung oder eine Police mit höherem Aktienanteil nach dem Modell Indexselect abgeschlossen haben. Die Allianz stutzt den Rechnungszins für die Umrechnung von Kapital in eine Monatsrente von 2,75 oder 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent. Bei der Zurich müssen die Kunden fondsgebundener Verträge den Berichten zufolge mit der Senkung des Rentenfaktors zwischen 18 und 25 Prozent rechnen. Da es keine aufsichtsrechtlichen Anzeigepflichten hinsichtlich der Anpassungen von Rentenfaktoren gibt, kann die Bafin eigenem Bekunden nach nicht mitteilen, wie viele Gesellschaften ähnlich vorgehen. Ungewöhnlich dürfte dieses Vorgehen aber nicht sein.
Die seit zwanzig Jahren im Sinkflug befindliche Überschussbeteiligung beträgt 2017 über alle Tarifarten und -generationen im Marktdurchschnitt nur noch 2,88 Prozent (laufende Verzinsung). Zu diesem Ergebnis kommt die Ratingagentur Assekurata in ihrer Marktstudie 2017, an der 52 (60) Gesellschaften teilnahmen. Von den 34 Ver­sicherern, die 2017 im Neugeschäft noch eine klassische…