Erschienen in Ausgabe 2-2017Schlaglicht

„Wenn etwas schiefläuft, sind auch wir Makler in Budapest gewesen“

Hans-Georg Jenssen, Geschäftsführender Vorstand VDVM, über harte Spielregeln im Versicherungsvertrieb

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Versicherungswirtschaft: Wie wird sich der Maklermarkt 2017 entwickeln?

Hans-Georg Jenssen: Ich erwarte für den Bereich der Lebensversicherung aus Sicht der Makler eine verhaltene Entwicklung. Nach wie vor vermitteln wir gerne Garantieprodukte. Es wird aber schwieriger, dafür am Markt geeignete Angebote zu finden. Wir hoffen durch das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz auf Wachstumsimpulse, wenngleich wir uns von der Politik ein paar kräftigere Signale gewünscht hätten. Nicht überzeugt sind wir von dem angepriesenen Sozialpartnermodell. Außerdem ist es sehr fahrlässig, Riester-Verträge tot zu sagen. Generell verträgt sich Altersvorsorge nicht mit Unsicherheit. Das gesamte Altersvorsorge-System wird sehr viel komplexer, sodass der Beratungsaufwand deutlich steigen wird.

Und wie steht es um die Komposit?

Hier sehen wir eine durchschnittliche Entwicklung. Es deutet nichts auf Probleme hin. Das betrifft ebenfalls den gewerblichen Bereich. Hier laufen die Geschäfte recht ordentlich. Insgesamt kann ich für Sachversicherungen einen verhalten positiven Ausblick geben. Es gibt jedoch eine Reihe von Unternehmen, die aufgrund der Zinsentwicklung noch stärker die Kostenschere ansetzen müssen.

Stichwort Digitalisierung in der Versicherungs­wirtschaft – alles in Ordnung?

Der Digitalisierungsschub macht uns Sorgen, weil es keine einheitliche Linie bei den Versicherern gibt. Wir Makler wären froh, wenn wir ohne Redundanzen im Rahmen eines einheitlichen Geschäftsprozesses mit den Versicherern zusammenarbeiten könnten. Wir unterstützen daher zum Beispiel alle Bipro-Aktivitäten. Was die Angebotsseite in Bezug auf das Thema Digitalisierung betrifft, sind wir sehr skeptisch. Alle Marktteilnehmer müssen nach gleichen Spielregeln agieren. Das muss ebenso für die Fintechs gelten. Wir stehen ihnen in nichts nach.

Hat der Einzelmakler ausgedient? Sehen Sie den Trend zu Zusammenschlüssen?

Unsere Mitglieder sind über die Stufe eines Ein-Mann-Betriebs längst hinaus, da sie in aller Regel mit qualifiziertem Servicepersonal arbeiten. Wir erkennen sehr deutlich, wie es für einen einzelnen Vermittler immer schwieriger wird, von Komposit bis Gewerbe und hin zu Leben alles gleich gut zu machen. Entweder entscheide ich mich für Spezialangebote, wie für Cyber oder D&O, konzentriere mich auf bestimmte Berufsgruppen oder bin mit Spezialisten breiter aufgestellt.

Wie werden Makler in Deutschland und in Europa wahrgenommen?

In Deutschland sind wir bemüht, die Unterschiede zwischen Makler und Agenten…