Erschienen in Ausgabe 2-2017Unternehmen & Management

Treffen sich ein Globalisierungskritiker, ein Banker und ein Ordo-Liberaler ...

Von Dominic EggerVersicherungswirtschaft

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Wie Banken gerettet, wie Finanzkrisen sogar verhindert werden können – die Debatte ist noch längst nicht vorbei! Sven Giegold, MdEP, Udo Philipp, Triodos-Aufsichtsrat und Gerhard Schick, MdB diskutieren freudig mit. Ihr Buch, ein selbstbewusstes finanzmarktpolitisches Regierungsprogramm grüner Prägung, kommt mit einer Grundthese: Eine einfachere, aber strengere Regulierung sorgt für einen „starken, nachhaltigen und gerechten Finanzsektor.“ Argumente aus Zahlen und Fakten, theoretisch untermauert, konkrete Ansagen im Maßnahmenkatalog und nah am Markt. Legt man diese Kriterien an, schneidet das Buch nicht schlecht ab. Definitiv kein Junk-Food, trotz des geringen Umfangs, eher deftige Bio-Hausmannskost, wie sie auch Winfried Kretschmann oder gar einem schwarzen Koalitionspartner schmeckt: Einfachere Regulierung soll kleinen Banken unter die Arme greifen, Eigenkapitalanforderungen wollen die Autoren erhöhen, Meldepflichten ließen sich so abbauen, dies senke Regulierungskosten, die gerade kleine Institute belasten. Too-big-to-fail-Banken soll es nicht mehr geben: Finanzmarkt-Akteure wollen die Drei entflechten, die Komplexität von Finanzprodukten senken. Die Fusion großer Banken ist ihnen ein Dorn im Auge, schließlich profitierten die Großen im Gegensatz zu kleinen Akteuren von einer „implizite[n] staatlichen Garantie.“ Mehr Wettbewerb müsse her, auch für kleine Monopolisten auf dem Lande. Aber in Kohle, Öl und Gas bitte nicht mehr investieren!
Absicherung gegen Berufsunfähigkeit und Hochwasser in Gegenden mit hohem Risiko soll zur Pflicht werden, Selbstständige sollen in die gesetzliche Rente. Riester hingegen sei gescheitert, eine komplette Absage an die private Altersvorsorge bedeute das jedoch nicht: Als Opt-out-System soll sie vielmehr Standard werden, gegen den sich die Bürger entscheiden können. Zur Leben-Regulierung befinden die Autoren: „Man kommuniziert in einer geheimnisvollen Insider-Sprache.“ Dies befördere Lobbyismus, demokratische Kontrolle sei „quasi unmöglich“, die Versicherungsaufsicht zu sehr mit den Unternehmen verflochten. Regulierung vereinfachen ist die Zauberwaffe, mit der die drei Grünen-Politiker eine Schneise in den dichten Leben-Wald schlagen wollen, selbst wenn das manchen Vermittlern im „stark aufgeblähten Vertrieb“ den Job kostet. Die Auseinandersetzung mit den drei Finanzgrünen lohnt, könnten sie doch die Politik einer schwarz-grünen Koalition maßgeblich bestimmen.de
Sven Giegold, Udo Philipp und Gerhard Schick: Finanzwende…