Erschienen in Ausgabe 2-2017Märkte & Vertrieb

Wall Street regiert Washington

Die Aufsichtskonvergenz zwischen USA und EU hat ein jähes Ende – Versicherer hoffen auf versprochene Deregulierung

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Vor wenigen Tagen hat Donald Trump das Amt als US-Präsident offiziell übernommen. Experten ordnen den Unternehmer und nun auch Politiker in wirtschaftspolitischer Hinsicht klar dem neo-liberalen Lager zu. Er verfolgt das Ziel, die amerikanische Industrie zu revitalisieren und ihre Arbeiter zu stärken. Auch Steuersenkungen sind geplant. Die Börse ihrerseits reagierte bislang äußerst positiv, wenn nicht gar euphorisch, auf diese Versprechen. Für US-Versicherer dürfte die Deregulierung insgesamt positive Auswirkungen haben. Darauf und auf den starken US-Dollar freut sich auch Allianz-Chef Oliver Bäte. Trumps Konjunkturprogramm ist billionenschwer, das stärkt die US-Wirtschaft und zieht noch mehr Kapital in die USA, was wiederum den Dollar-Kurs steigen lässt. Doch gleichzeitig verteuert ein stärkerer Dollar die Exporte auf den Weltmarkt. Die Wettbewerbsfähigkeit der USA sinkt.

Reichstes Kabinett der US-Geschichte

Das bereitet Trump Sorgen, vor allem im Hinblick auf China: „Unsere Unternehmen können mit ihnen im Moment nicht konkurrieren, weil unsere Währung zu stark ist.“ Die Wirtschaft stärken, die Währung bitte nicht. Auf solche Widersprüche will die US-Presse in Zukunft besonders achten und stellt massenhaft neue Redakteure und Investigativjournalisten ein. Diese sollen auch die Interessenkonflikte seines Kabinetts unter die Lupe nehmen. Die Mitglieder verfügen zusammen über 14 Mrd. US-Dollar, mehr als 30 Mal so viel wie das Kabinett George W. Bush. Der designierte Gesundheitsminister Tom Price soll Geld in mehrere Gesundheitsfirmen investiert haben und später ein Gesetz zu ihren Gunsten unterstützt haben. Der künftige Außenminister Rex Tillerson entscheidet über Sanktionen gegen Russland, die das Unternehmen Exxon Mobil, welches Tillerson führte, über eine Mrd. US-Dollar kosteten. Und gerade der als Corporate Raider bekannte Investor Carl Icahn, der vier Prozent an AIG hält, wurde als Berater für Regulierungsfragen auserkoren.
Nur die Zentralbank steht noch unter einer mit Trump nicht ideologisch harmonierenden Person. Die erst seit Januar 2014 amtierende Janet Yellen verspricht für den Erhalt des die Banken gängelnden Dodd-Frank-Acts zu kämpfen und droht, sie müsse angesichts der plötzlich angekurbelten Wirtschaftslage die Zinsen erhöhen. Trump möchte sie zum vorzeitigen Rücktritt nötigen, jedoch erklärte Yellen bereits, dass sie bis zum Ende ihrer vierjährigen Amtszeit die Position okupieren werde.

Systemrelevanz auf dem Prüfstand

Nach wie vor ist die…