Erschienen in Ausgabe 2-2017Märkte & Vertrieb

Späte Schäden

Haftpflichtversicherer leiden unter Schadeninflation und sinkenden Kapitalerträgen

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Die Haftpflichtversicherer bekommen Probleme auf der Schadenseite. Im Markt stieg die Schadenquote innerhalb eines Jahres von 59,6 Prozent (2014) auf 64,3 Prozent (2015). Seit Menschengedenken hat es keinen so starken Sprung in der Schadenquote gegeben. Grund dafür sind Probleme durch die Teuerung von Altschäden. „Die deutliche Zunahme in der Haftpflichtversicherung entstand durch einen inflationsbedingt höheren Aufwand für Geschäftsjahresschäden, durch einen vermehrten Aufwand für Großschäden und einen niedrigeren Abwicklungsgewinn aus Versicherungsfällen der Vorjahre“, heißt es im Geschäftsbericht der Allianz Versicherung AG. „Dabei wurden insbesondere die Spätschadenreserven deutlich höher dotiert.“
Innerhalb eines Jahres stieg die Schadenquote bei Deutschlands größtem Schadenversicherer von 46,6 auf 66,3 Prozent an. Die Münchener stehen mit dem Reserveproblem nicht alleine da. Auch die Konzernschwester AGCS verzeichnet steigende Haftpflicht-Schäden, ebenso der Konkurrent HDI Global. Die Hannoveraner hatten im Jahr 2015 hohen Nachreservierungsbedarf. Das versicherungstechnische Ergebnis war stark negativ. Technisch rote Zahlen schreibt auch die International Insurance Hannover, die das Geschäft aber fast komplett zediert (Tabelle). Auch die Versicherungs­kammer Bayern und die Basler hatten an ihrem Haftpflicht­geschäft wenig Freude.

Rückversicherer haben nichts verdient

Mit Beitragseinnahmen von 9,5 Mrd. Euro ist die Haftpflichtversicherung die drittwichtigste Sparte, nach Kfz (knapp 25 Mrd. Euro) und Feuer (17,4). Sie wuchs im vergangenen Jahr um sechs Prozent, doch ohne die International Insurance Hannover wäre das Marktwachstum nur halb so groß ausgefallen. Haftpflicht verteuert sich. In den vergangenen zehn Jahren stieg die Zahl der Verträge um 6,5 Prozent auf jetzt 65,4 Millionen, die Beitragseinnahmen wuchsen um 21 Prozent. Das Beitragswachstum entspricht in etwa dem Wachstum in der Schadenversicherung insgesamt, doch Preiserhöhungen sind notwendig. Bereits vor anderthalb Jahren warnte Munich-Re-Manager Ludger Arnoldussen vor der doppelten Bedrohung aus steigenden Schadenkosten und sinkenden Zinserträgen. Marktweit erzielten die Schadenversicherer im Jahr 2015 eine Nettoverzinsung von 3,9 Prozent, im Jahr 2012 waren es noch 4,5 Prozent gewesen (). Die Schadenreserven summieren sich auf das Dreifache der Beitragseinnahmen, Tendenz steigend. Über die gesamte Branche haben die Rückversicherer im Jahr 2015 im Haftpflichtgeschäft nichts verdient. Der…