Erschienen in Ausgabe 2-2017Märkte & Vertrieb

So gespalten wie das Land selbst

Rechtsstreit mit Peak Re, Neugründung für besorgte Investoren – Neuseelands Erdbebenrisiko treibt Tower in den Ruin

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Zwischen der neuseeländischen Tower Insurance und der in Hongkong ansässigen Peak Re läuft ein Schiedsgerichtsverfahren hinsichtlich einer von Peak Re gewährten Schlechterabwicklungsdeckung (adverse development cover), was Towers Nettoschaden aus dem Christchurch-Erdbeben des Jahres 2011 angeht. Tower hatte im April 2015 bei Peak Re eine ca. 50 Mio. NZ-Dollar betragende nachträgliche weitere Deckungen gekauft, die jetzt zum Zug kommt. Die gesamte Rückversicherungsdeckung beträgt 375,4 Mio. NZ-Dollar, zur bisherigen Brutto-Schadenlast in Höhe von 449,8 Mio. NZ-Dollar kamen aufgrund tatsächlicher Schlechterabwicklung noch einmal 16,2 Mio. NZ-Dollar hinzu.
Die mit 800 Mio. US-Dollar kapitalisierte Peak Re, die zu 85 Prozent der chinesischen Fosun Group und zu 15 Prozent der Weltbank-Tochter International Finance Corporation gehört, behauptet jedoch bei der Gewährung dieser Deckung über den Tisch gezogen worden zu sein. Tower gibt sich siegesgewiss und scheint den vollen von Peak Re geforderten Betrag (43,5 Mio. NZ-Dollar) ebenso zu aktivieren wie die noch vom nationalen Erdbebenpool EQC beizusteuernden 57,6 Mio. NZ-Dollar. Üblicherweise tagen Schiedsgerichte am Sitz des Zedenten, auch wird dort der Vorsitzende des Schiedsgerichts bestimmt. Hieraus könnte sich für Tower ein Heimvorteil ergeben. Tower Insurance geht auf einen 1869 gegründeten staatlichen Lebensversicherer zurück, der 1990 in einen Gegenseitigkeitsverein und 1999 in eine börsengelistete Aktiengesellschaft verwandelt worden war. 2006 waren die australischen Firmenteile abgespalten worden, 2013 auch noch das Lebengeschäft. Übrig ist nun eine neuseeländische Nicht-Lebensgesellschaft mit bedeutenden Operationen im Pazifik. Von den 303 Mio. NZ-Dollar an Bruttoprämien entfallen 59,3 Mio. NZ-Dollar auf den Pazifik.

Pennystock kämpft um Vertrauen

Die Ungewissheiten hinsichtlich des 2011er-Schadens haben den Börsenwert von Tower weit unter den Buchwert rutschen lassen. Aktien, die 2013 noch 2,50 NZ-Dollar kosteten, sind mittlerweile bloße 0,80 NZ-Dollar wert. Die Börse bewertet die gesamte Gesellschaft mit 137,5 Mio. NZ-Dollar , dies bei einem per 30. September 2016 ausgewiesenen Eigenkapital von 224 Mio. NZ-Dollar. Andererseits steht das AM-Best-Rating immer noch bei A−. Vor diesem Hintergrund kündigte Tower eine Betriebsaufspaltung an. Anscheinend soll die bisherige Gesellschaft in Run-off gehen und eine frische Gesellschaft für das laufende Portefeuille gegründet werden (bzw. umgekehrt). Hieran könnten…