Erschienen in Ausgabe 2-2017Schlaglicht

Wunsch nach Größe

Maklern droht durch IDD das politische Aus – von den Branchenverbänden vernimmt man in Berlin nur ein leises Knurren

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Weshalb zielt der Referentenentwurf darauf ab, den Beruf des Maklers so zu erschweren, dass es fast unmöglich wird, ihn auf Dauer auszuüben?“, lautet eine der fünf Fragen der Petition „IDD – Nein, Danke!“, gerichtet an Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Mittlerweile benötigen Versicherungsmakler die Unterstützung des allen Vermittlerformen offenstehenden und somit neutralen Bundesverbands der Sachverständigen für das Versicherungswesen (BVSV), um politisch gehört zu werden.
Laut DIHK sind in Deutschland 46.687 Versicherungsmakler registriert (Stand 1. Juli 2016) – vom Lifestyle-Makler, der sich mit Lebensversicherungsprovisionen ein nettes Zubrot verdient, bis hin zu milliardenschweren Unternehmen wie Aon und Marsh. Gleichzeitig finden sich viele AO-Agenten in dieser Liste, sodass die Zahl der realen Makler viel geringer ausfällt. Das zeigt auch die schwache Petitionsbeteiligung in Höhe von 5.600 Unterschriften nach zwei Monaten. Unabhängig von den offiziellen Zahlen sind Versicherungsmakler eine bedrohte Spezies: Erhöhte Haftungsrisiken, sinkende Wirtschaftlichkeit sowie die fehlende Attraktivität des Berufsbilds werden häufig als Gründe für den Nachwuchsmangel angeführt.

Einzelkämpfer ohne politische Stimme

Nun droht mit der EU-Vermittlerrichtlinie IDD (Insurance Distribution Directive) der Todesstoß. Politiker zeigen Unfähigkeit und Unwilligkeit, einen Vertreter von einem Makler zu unterscheiden. Während Versicherungsvertreter im Auftrag des Produktgebers handeln und über eine Provision entgolten werden und Berater auf Honorarbasis Produkte vermitteln, wohnen zwei Seelen in der Brust des Versicherungsmaklers: Als Sachwalter des Versicherungsnehmers lebt er von den Courtagen des Versicherers (§ 99 HGB). Es besteht ein so genanntes Doppelrechtsverhältnis zu beiden Parteien, der Versicherungsmakler ist auch gegenüber dem Versicherer zur Interessenwahrnehmung verpflichtet. Für die einen ist das ein Systemfehler, für die anderen begründet das erst die Unabhängigkeit der Makler, weil sie nicht an einen Produktanbieter gebunden sind. Doch für die Europäische Union soll in Zukunft allein die Vergütungsform als Kriterium für Unabhängigkeit herhalten. Vermittler seien nur dann unabhängig, wenn sie allein vom Verbraucher für ihre Dienstleistung bezahlt würden und nicht, wenn der Versicherer die Vertriebskosten übernehme und diese wiederum beim Kunden als Abschlusskosten einsammele. Makler dürfen demnach nicht gleichzeitig als Honorarberater tätig sein, heißt…