Erschienen in Ausgabe 2-2017Unternehmen & Management

Ein Felix Krull der internationalen Rückversicherung

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Thomas Manns Romanfigur Felix Krull stieg vom einfachen Hotelangestellten zum international agierenden Hochstapler und Liebhaber üppiger Frauen auf. Eine ähnliche Romanfigur hat ein ehemaliger Angestellter der Münchener Rück unter dem Pseudonym Sebastian Rosenstock geschaffen. Das bürokratisch-hierarchische Unternehmen nennt er in dem im Eigenverlag herausgegebenen Buch „Isar Re“. Auch der mal Spanisch, mal Mandarin parlierende Held des Romans, eigentlich eine Tetralogie, gelangt von einem Luxushotel zum nächsten und zielt mit seinem Going Local hauptsächlich auf die ortsansässige Weiblichkeit. Als Amateur löst er dabei diverse, nicht immer plausibel erscheinende Kriminalfälle, die mit versicherten Risiken zusammenhängen. Der gewählte Titel sowie auch die Dicke des Buches könnten fast den Schluss rechtfertigen, ein Münchener Profi habe zum zweibändigen Standard-Opus Klaus Gerathewohls (Rückversichern, Grundlagen und Praxis, als E-Book im Verlag Versicherungswirtschaft erhältlich), die allerdings ergötzlicher zu lesende Fortsetzung geschrieben.
Wenn Rosenstock darüber reflektiert, liest sich das so: „Anders als sein Buch über die diskrete Wahrscheinlichkeitsrechnung, das sich als Flop erwiesen hatte, revolutionierte Johannsen mit seinem glaubwürdigen Werk ,Früher Quotieren, über den Untergang der Würfel‘ mit einem Vorwort von Prof. Dr. Dr. Dietmar Fahrenheit kurzfristig die Methoden der Preisfindung in der Rückversicherung; er hatte darin die wichtigste Forderung unserer Zeit beherzigt, nämlich die alten Formeln, in denen er sich blindlings auskannte, zu zerbrechen, weil die Realität sie regelmäßig ad absurdum erwies.“
Bei dem Buch handelt es sich um einen Fortsetzungs-Krimi, dessen Don Juan und Held seine Wurzeln und sein Auskommen in der Rückversicherungsbranche hat. Aus der wohl pensionierten Insider-Perspektive werden über längere Passagen Strategie und Jargon der Rückversicherung sowie die internen Gepflogenheiten eines Oligopolisten persifliert. Bei den Namen einzelner Figuren stellt sich die Frage, ob man die vermeintlichen Krimi nicht als Berichterstattung lesen sollte: Man muss nicht allzu lange die Buchstaben des Firmennamens „Herzog“ durcheinanderwirbeln um zu begreifen welcher Assekuranz-Teilkonzern den Autor inspiriert haben könnte. Einige Charaktere wirken weniger überzeugend gezeichnet, insbesondere der chinesische Schurke erscheint ein wenig stereotyp, vielleicht als moderne Inkarnation von Dr. Fu Man Chu.

Komplizierter Markt, unterkomplexe