Erschienen in Ausgabe 2-2017Märkte & Vertrieb

Nichts wie raus

May bleibt hart, Schottland ist schockiert und die EU erleichtert

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Britische Versicherer kapitulieren und geben das bisherige Ziel auf, den vollen Zugang zum europäischen Binnenmarkt zu behalten. Es gebe keine realistische Chance auf die Erhaltung der vollen Passporting-Rechte, sagte die einflussreiche Interessenvereinigung CityUK. Stattdessen machen sie sich jetzt für das Äquivalenzprinzip stark. Der Vorstoß kam bereits eine Woche vor der historischen Rede von Premierministerin Theresa May zum harten Abschied aus der EU. „Keine Teilmitgliedschaft, keine assoziierte Mitgliedschaft oder irgendetwas, was uns halb drin, halb draußen lässt“, umschrieb sie ihre Pläne. Damit ist klar: Großbritannien wird dem EU-Binnenmarkt den Rücken kehren – zum Verdruss der heimischen Wirtschaft. Sichtlich schockiert zeigte sich Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon, der abrupte EU-Ausstieg bedeute für das Land eine „wirtschaftliche Katastrophe.“ Der Austrittsantrag erfolgt bis Ende März, die Verhandlungen über die Trennung sollen laut May bis Oktober des kommenden Jahres abgeschlossen sein. EU-Präsident Donald Tusk erklärte: „Ein trauriger Vorgang, surreale Zeiten, aber immerhin eine realistischere Einschätzung zum Brexit.“ Monatelang hatte May nicht erklären können, wie der Austrittsprozess vonstatten gehen soll. Ein Grund für den Rücktritt des EU-Botschafters Ivan Rogers. „Es mangelt an ernsthafter, multilateraler Verhandlungserfahrung in der Regierung“, kritisierte Rogers zum Abschied.
Zumindest jetzt herrscht Klarheit. Genau das forderte Lloyds seit Langem. Die Londoner Versicherungsbörse, die 2015 elf Prozent ihrer Prämien in der EU generierte, will eine EU-Vorschaltgesellschaft errichten. Fünf Standorte sind im Gespräch, die Entscheidung soll im Februar fallen. Eine solche Vorschaltgesellschaft würde in der Rumpf-EU nach wie vor die Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit genießen. Problematisch wird es, wenn sie sich einen Großteil der für brutto zur Verfügung gestellten Kapazität im Wege der Zession an das britische Mutterhaus besorgt. Denn die EU könnte den britischen Finanzdienstleistern die Solvency-II-Äquivalenz absprechen. Die Bafin erhalte bereits Anfragen von Banken, die sich sogar freiwillig ihrer Aufsicht unterstellen möchten. Ebenso setzen sich britische Versicherer ernsthaft mit Filialgründungen in Deutschland auseinander.
Damit große Syndikatsgruppen nicht gleich selbst eine kontinentale Fronting-­Gesellschaft gründen, reduziert Lloyd’s derzeit die zentralen Administrationskosten, indem es die Umlage um…