Erschienen in Ausgabe 2-2017Märkte & Vertrieb

China lässt die Muskeln spielen

Reich der Mitte löst Japan als zweitgrößten Versicherungsstandort der Welt ab

Von Heng YanVersicherungswirtschaft

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In diesem Jahr wird China Japan hinsichtlich der Prämieneinnahmen als weltweit zweitgrößten Versicherungsmarkt ablösen. Obwohl die endgültige Zahl noch nicht bekannt ist, gilt die Entwicklung als ziemlich sicher. In den Monaten von Januar bis Oktober 2016 erreichte das Volumen des Beitragseinkommens der ganzen Branche umgerechnet bereits rund 369 Mrd. Euro. Das war ein Zuwachs von 32 Prozent im Vergleich zu 2015. Voraussichtlich beträgt das Prämienvolumen des gesamten Jahres 2016 mehr als 410,6 Mrd. Euro. In den letzten drei Jahren hat der chinesische Versicherungsmarkt im Hinblick auf die Prämieneinnahmen einen Sprung von Platz sechs auf Platz drei in der Weltrangliste gemacht. Der Gewinn der gesamten Branche hat sich von umgerechnet etwa sechs Mrd. Euro im Jahr 2012 auf 38,6 Mrd. Euro gesteigert.
Das gesamte Vermögen der chinesischen Versicherungsbranche beläuft sich derzeit auf mehr als zwei Billionen Euro. Gegenwärtig beschäftigen 270 Versicherer insgesamt mehr als sieben Mio. Arbeitnehmer.

Aufsicht will Online-Versicherer mäßigen

In den vergangenen Jahren haben sich chinesische Online-Versicherer im Namen der Innovation ziemlich ausgetobt. Es wurden viele Produkte, die von eher spekulativer Natur sind oder auf reinen Wetten beruhen, auf den Markt gebracht. Beispiele sind Versicherungen gegen Enttäuschungen durch Fußfallspiele, Policen gegen Hitze, gegen Tod wegen Alkoholkonsums beim Anschauen von Fußballspielen. Das scheint der Versicherungsaufsicht Circ inzwischen zu viel zu sein. Die Aufsicht hat bereits Untersuchungstruppen zu neun Versicherern geschickt und sechs Online-Akteuren die Betriebslizenzen entzogen. Ende 2016 hat Circ mehrere Verordnungen erlassen, die spekulationsartige Produkte verbieten. Während in der jüngsten Zeit einige Versicherer sich noch Gedanken über Versicherungen gegen Smog machten, hat die Behörde kurzerhand ein Verbot für dieses Produkt ausgesprochen.
Auch die Öffentlichkeit misstraut mittlerweile derartigen Geschäften, die Kunden bleiben solchen Produkten immer mehr fern. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres haben drei Online-Versicherer einen Verlust eingefahren. Die Ankang Online-Insurance erlitt ein Minus von umgerechnet 17 Mio. Euro, die Online-Versicherung Yi An erwirtschaftete einen Verlust von 3,4 Mio. Euro und die Anxin-Online-Insurance ein Minus von 400.000 Euro. Die Gesamt-Prämieneinnahmen aller Player hinsichtlich der Sachversicherungen hat in den ersten sieben Monaten von 2016 im Vergleich zum Vorjahr…