Erschienen in Ausgabe 2-2017Märkte & Vertrieb

Erst haftet Generali, dann der Steuerzahler

Italiens größter Versicherer kürzt Ausgaben, muss aber viel Geld zur Bankenrettung beitragen

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

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Das Jahr 2017 hätte für die frisch amtierende Regierung unter Renzi-Nachfolger Paolo Gentiloni wahrlich besser beginnen können. Die schlimmste Schneekatas­trophe in weiten Teilen des Stiefels seit 50 Jahren und eine neue Erdbebenserie belasten die Stimmung der Bürger. Schlechte Nachrichten auch für den italienischen Staat und die italienischen Banken: Rom liegt mit Brüssel mal wieder im Clinch, aus der Kommission kam ein blauer Brief. Das Haushaltsdefizit 2017 liege um 0,2 Prozent zu hoch. Weitere 3,4 Mrd. Euro müsse die Regierung einsparen, um die Defizit-Ziele des Stabilitätspaktes nicht zu reißen. Und dann das: Die Ratingagentur DBRS hat die Kreditwürdigkeit von Italien um eine Stufe gesenkt. Die Bonitätsnote werde von bisher „A (low)“ auf „BBB (high)“ gesetzt, teilte die kanadische Ratingagentur in Toronto mit. Mit ihrer Begründung legt sie den Finger in die offene Wunde: Es sei unsicher, ob Italien nach dem überwältigenden Nein beim Referendum politisch in der Lage sei, die notwendigen Reformen weiter durchzuführen. Die Rating-Spezialisten verwiesen auf das noch immer schwache Wachstumsumfeld – so hat der IWF die Prognosen für die kommenden beiden Jahre drastisch nach unten korrigiert. Nach dem gescheiterten Referendum dürfte es zudem schwieriger sein, weitere Reformmaßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft zu beschließen.

Landesrating heizt Bankenkrise an

Die Entscheidung könnte vor allem die Lage heimischer Banken verschärfen, weil sie für italienische Staatsanleihen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) merklich höhere Abschläge zahlen müssen. Keine der großen Ratingagenturen gibt Italien die als sicher geltende „A“-Note. So bewertet auch Fitch das Land mit „BBB+“. Moody gibt mit „Baa2“ eine Note schlechter. Bei Standard & Poor’s liegt Italien mit „BBB−“ nur noch eine Note über dem so genannten Ramschbereich. Dennoch sieht Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan sein Landes nicht in der Krise. „Es gibt einige spezifische Fälle, darunter zwei Banken in Venetien und die Monte dei Paschi“, so der Minister in mehreren Interviews. Die Lösungen seien da, die Beteiligten hielten sich an europäische Vorschriften. „Alles geschieht unter strikter Einhaltung der EU-Abwicklungsrichtlinie für notleidende Banken“, erklärte er. „Dazu zählt auch die Beteiligung der Gläubiger.“
Padoan und die Führungsspitze der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) wollen der EZB schnell einen Sanierungsplan für das angeschlagene Kreditinstitut vorlegen. Der Staat will…