Erschienen in Ausgabe 2-2017Märkte & Vertrieb

Der Preis ist heiß

Massive Prämiennachlässe sorgen in der Krankenversicherung für sinkende Beiträge und steigenden Ertragsdruck

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

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Der Preisrückgang ist besorgniserregend“, erklärt der CEO von Spaniens zweitgrößtem Krankenversicherer Sanitas Iñaki Ereño. Ende 2015 gab es im spanischen Versicherungsmarkt bereits erste Anzeichen für einen einsetzenden scharfen Preiswettbewerb in diesem Zweig. 2016 hat es nun endgültig bestätigt: Die spanischen Krankenversicherer befinden sich in einem aggressiven Verdrängungswettbewerb. Bester Beleg ist der dramatische Rückgang der Durchschnittsprämien.
Nach dem führenden Preisvergleichsportal für Versicherungspolicen Rastreador.com ist die durchschnittliche Prämie für eine Krankenversicherungspolice 2016 bei der dominierenden Produktart Asistencia Sanitaria ohne Selbstbeteiligung um 14,4 Prozent auf 41,10 Euro zurückgegangen. Das ist der zweite spürbare Rückgang in Folge. Schon 2015 mussten die Versicherer einen Prämien­abrieb von 8,4 Prozent hinnehmen. Mit rund 90 Prozent entfällt der Löwenanteil des Geschäftsvolumens der spanischen Krankenversicherung auf die Policenart Asistencia Sanitaria. Dabei erhalten die Kunden Zugang zu einem breitgefächerten Netz an Vertragsärzten inklusive Krankenhausbehandlung. Freie Arztwahl besteht dagegen nicht. Die führenden Gesellschaften sind SegurCaixa Adeslas mit einem Marktanteil von 28 Prozent, gefolgt von Sanitas (Bupa-Gruppe), Asisa, DKV und Mapfre. Der Branchenprimus SegurCaixa Adeslas profitiert als Joint Venture zwischen dem Versicherer Mutua Madrileña (51%) und der Großbank CaixaBank (49%) von seinem schlagkräftigen Vertriebsweg über die Schalter der Bankfilialen.
Aktuell bewegen sich die Durchschnitts­prämien für die verschiedenen Krankenversicherungsprodukte zwischen 2,40 Euro bei einer Police für Zahnbehandlungen und 58 Euro bei einer Komplettpolice mit freier Arztwahl. Arzneimittelkosten im ambulanten Bereich sind im spanischen Markt meist nicht gedeckt. In den Altersgruppen gibt es bei den Durchschnittsprämien die Spannbreite von 67 Euro bei den über 60-Jährigen bis 38 Euro bei den unter 18-Jährigen. Aktuell haben rund 10,5 Millionen Spanier eine private Krankenversicherungspolice. Anders als in Deutschland sind sie im Normalfall gleichzeitig in der gesetzlichen Krankenversicherung. Je nach Anlass wird die ein oder andere Gesundheitsversorgung in Anspruch genommen. Einer der in der Bevölkerung sehr geschätzten Pluspunkte der privaten Policen ist die Schnelligkeit. Der Termin für einen Besuch bei einem Facharzt oder eine Ultraschalluntersuchung kann in der gesetzlichen Krankenversicherung bis hin zu…