Erschienen in Ausgabe 12-2017Köpfe & Positionen

Zur Debatte: Was uns 2018 zusammenhält

„Die Menschen lechzen nach Wertebotschaften, nicht nach Werbebotschaften“

Von Horst OpaschowskiVersicherungswirtschaft

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Zur Debatte: Was uns 2018 zusammenhält

„Die Menschen lechzen nach Wertebotschaften, nicht nach Werbebotschaften“

Der gefühlte Wohlstand der Deutschen erreicht 2018 ein Rekordhoch. Der in Zusammenarbeit mit dem Ipsos-Institut ermittelte Nationale WohlstandsIndex für Deutschland (NAWI-D) deutet auf einen neuen Rekordwert hin – so hoch wie seit fünf Jahren nicht mehr. Und immer weniger Bundesbürger fühlen sich ökonomisch, sozial oder mental „abgehängt“. Die Arbeitsplätze sind so sicher wie lange nicht mehr. Die seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts verbreitete Prognose „Der Gesellschaft geht die Arbeit aus“ gilt nicht mehr. Ganz im Gegenteil: Die Arbeitslosenzahl erreicht einen Tiefstand, die Zahl der offenen Stellen auch. „Arbeitskräftemangel“ wird zum Reizwort des Jahres 2018. Und die massenhafte Vernichtung von Arbeitsplätzen durch IT, KI und Digitalisierung erweist sich als Legende. Denn die Digitalbranche hat sich inzwischen mit ihren über eine Million Beschäftigten zum größten Arbeitgeber in der Industrie entwickelt – noch vor der Automobilbranche und dem Maschinenbau.
Indes hängen Geldentwertung, Konjunktureinbruch oder Immobilienblase als Risikofaktoren wie ein Damoklesschwert über dem Wirtschaftsboom und den sprudelnden Steuereinnahmen. Die Sorge großer Teile der Bevölkerung bleibt, sich des Wohlstands bald nicht mehr sicher zu sein. „Risikovorsorge“, „Zukunftsvorsorge“ und „Altersvorsorge“ werden Leitbegriffe der gesellschaftlichen Diskussion im Jahr 2018 sein.Viele Bundesbürger können nicht für ihre Zukunft finanziell vorsorgen. Einige leben zwar im eigenen, aber noch nicht abbezahlten Haus, andere können ohne die Aufnahme von Krediten kaum über die Runden kommen. Es ist ein Leben ohne Sicherheiten, Absicherungen und Versicherungen. So haben sie das ständige Gefühl, ökonomisch haushalten oder gar Angst vor unerwarteten finanziellen Risiken haben zu müssen. Von einem sorgenfreien Leben sind sie weit entfernt.
Die Unsicherheit wird auch 2018 anhalten. Der Hunger nach Sicherheit wird fast größer als der Durst nach Freiheit. Sicherheit wird die neue Freiheit der Deutschen, die angst- und sorgenfreier leben wollen.
„Bezahlbares Wohnen“ allerdings wird zum größten Defizitposten. Andererseits: Das Schimpfwort von der „strukturellen Rücksichtslosigkeit“ gegenüber den Bewohnern im ländlichen Raum machte in den letzten Jahren zu vorschnell die Runde – von der geringen Arztdichte bis zur mangelhaften Nahversorgung. Die Unterschiede zwischen Stadt und…