Erschienen in Ausgabe 12-2017Unternehmen & Management

Aufstocken auf der Insel

Die Senkung der Ogden-Rate führt zu steigenden Kosten bei britischen Versicherern und deutschen Kunden

Von Simone HoffmannVersicherungswirtschaft

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Ogden-Tabellen sind eine Reihe von standardisierten, auf Statistiken basierenden Tabellen, welche in Großbritannien wesentlich für die Kalkulation und Regulierung von pauschalierten Schadenersatzzahlungen für Personenschäden sind. Damit soll sichergestellt werden, dass eine schwerverletzte (invalide) Person ausreichend finanzielle Sicherheit für ihre künftige Versorgung und einen angemessenen Ersatz für ihren Verdienstausfall erhält. Bei der Berechnung von pauschalen Schadenersatzvergütungen für Personenschäden (Einmalzahlung) wird die Rendite (via Diskontsatz) berücksichtigt, die der Anspruchsteller bei einer vernünftigen und vorsichtigen Kapitalanlage hätte erwarten dürfen. Gem. § 1 Damage Act 1996 wird der Diskontierungszinssatz nicht von den Versicherern, sondern von Seiten der Regierung festgelegt. Der bisherige Diskontsatz von 2,5 Prozent wurde 2001 festgesetzt und spiegelt die damaligen Rückkaufrenditen indexgebundener Staatsanleihen wider. Seit dem 20. März 2017 wurde er um 3,25 Prozent von 2,5 Plus auf Minus 0,75 Prozent herabgesetzt. Dabei gilt die Veränderung rückwirkend für alle laufenden Schadenersatzansprüche sowie natürlich für neue Schäden.
Die Reduzierung der Rate auf Minus 0,75 Prozent hat zur Folge, dass nachhaltig geschädigte Personen deutlich höhere Entschädigungszahlungen als bisher erhalten. Bestehende Reserven bei laufenden Schadenverhandlungen müssen von den Versicherern aufgestockt werden, um diesen Veränderungen Rechnung zu tragen. Aber es wird sich nicht nur auf dem Rücken der Versicherer abspielen. Diese tiefgreifende Auswirkung auf die Regulierungskosten von Personenschäden werden die Versicherer ihrerseits zukünftig in die Kalkulation ihrer Tarife einfließen lassen, was zu signifikanten Mehrprämien führt. Die gravierendsten Änderungen werden für die üblicherweise lokal platzierten Sparten Kfz-Haftpflicht-Versicherung und die Arbeitgeberhaftpflicht-Versicherung (Employer’s Liability) erwartet. Dabei ist zu beachten, dass der neue Diskontsatz aber durchaus auch Auswirkungen auf die BHV und angeschlossene ProdHV hat, weil auch in diesen Sparten der Personenschaden versichert ist.

Deckungssummen reichen nicht aus

Bei integrierten Programmen sind die Lokalpolicen aber üblicherweise mit nur einer Mio. Euro Deckungssumme versehen, was unter den neuen Vorzeichen mitnichten ausreichen dürfte. Auch bei koordinierten Programmen liegt die Deckungssumme meist nicht über drei Mio. Euro. Die deutschen Masterdeckungen wiederum sind meistens…