Erschienen in Ausgabe 12-2017Unternehmen & Management

Streit um Geld und Diagnosen

Morbiditätsorientierter RSA soll im Wettbewerb der Krankenkassen neue Impulse schaffen. Doch das letzte Wort ist nicht gesagt.

Von Beatrice BlankscheinVersicherungswirtschaft

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Mit seinen 95 Thesen startete Luther vor 500 Jahren eine so weitreichende Diskussion um die katholische Kirche, die letztlich in einer umfassenden Reformation jener mündete. Vor wenigen Tagen stellte der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesversicherungsamt (BVA) das von allen Beteiligten in der GKV mit Spannung erwartete Sondergutachten zum morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) vor, das möglicherweise Ausgangspunkt einer Reformation – allerdings bezogen auf den derzeitigen RSA – hätte sein können. Nach der Vorabveröffentlichung der Zusammenfassung des Sondergutachtens am 19. Oktober dieses Jahres lässt sich konstatieren: Im Jubiläumsjahr der Reformation bleibt, was die Fortentwicklung des Morbi-RSA betrifft, die Kirche im Dorf.

Gleiche Rahmenbedingungen zur Stärkung des Kassenwettbewerbs?

In den letzten Tagen haben sich bereits verschiedene Akteure im GKV-Markt zu den Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats geäußert. Dass die Kritiken nicht ausschließlich positiver Natur sind, war, mit dem Blick zurück auf die vielen verschiedenen Vorschläge, Positionspapiere und Gutachten der letzten Monate, zu erwarten. Im Folgenden sollen einige Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats hinsichtlich der originären Ziele des Morbi-RSA diskutiert werden. Dazu sei zunächst noch einmal ein Schritt an „das Reißbrett“ zum Morbi-RSA gestattet:
Zwei wichtige Ziele sollen durch den morbiditätsorientierten RSA erreicht werden. Dies ist zum einen die Schaffung der Grundlage für fairen, solidarischen Wettbewerb zwischen den Krankenkassen und zum anderen die Verringerung von Anreizen zur Risikoselektion gegen Versicherte. Aufgabe des Wissenschaftlichen Beirats war es nun, zu überprüfen, inwiefern die Wirkungen des aktuellen Ausgleichsverfahrens diesen Zielen gerecht werden und abzuschätzen, wie sich die verschiedenen Vorschläge zur Weiterentwicklung des Morbi-RSA auf die Zielerreichung auswirken. Die nun im Sondergutachten getroffenen Empfehlungen erfolgen entsprechend aus strikt wissenschaftlicher Sicht. Anwenderbezogene schnelle Lösungen hätten sich einige Krankenkassen zwar gewünscht, entsprechen aber nicht wissenschaftlicher Sorgfalt.
Der Wissenschaftliche Beirat gibt in seinem Sondergutachten mehrere Empfehlungen, o.g. Ziel zukünftig besser zu erreichen. Zum einen wird ein deckungsgleiches Vorgehen von Bundes- und Landesaufsichten hinsichtlich ihrer Prüfverfahren als unerlässlich erachtet. Angesprochen wurden in diesem Zusammenhang die Prüfungen zu den…