Erschienen in Ausgabe 12-2017Unternehmen & Management

„Chinas Rückversicherungsmarkt stagniert aufgrund zunehmender Regulierung“

Stefan Materne, Lehrstuhlinhaber für Rückversicherung an der TH Köln, über Schadenprognosen und steigende Prämien

Versicherungswirtschaft

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„Chinas Rückversicherungsmarkt stagniert aufgrund zunehmender Regulierung“

Stefan Materne, Lehrstuhlinhaber für Rückversicherung an der TH Köln, über Schadenprognosen und steigende Prämien

Versicherungswirtschaft: Was waren die Besonderheiten des Schadenjahres 2017?

Stefan Materne: Experten halten es für möglich, dass 2017 die bisherigen NatCat-Rekordjahre 2005 und 2011 mit jeweils rund 130 Mrd. Dollar übertreffen könnte. Das wäre dann ein so genanntes Capital Event, d.h. die Combined Ratio der Rückversicherer läge über 100 Prozent. Somit würden die 2017 eingenommenen Prämien nicht zur Deckung der Schäden und Kosten ausreichen, und zusätzlich müsste das haftende Kapital der Risikoträger teilweise für Schadenzahlungen herangezogen werden. Weitere Besonderheiten waren der extrem hohe Kraftfahrt-Schaden durch Harvey rund um Houston von bis zu zehn Mrd. Dollar, die sehr hohen Schäden in der Industrieerstversicherung, die Unsicherheit hinsichtlich des tatsächlichen Betriebsunterbrechungsschadens in Puerto Rico und die großen Abweichungen in den ersten Schadenprognosen der Anbieter von NatCat-Risikomodellen.

Wie wirkt sich das auf die laufenden Vertragserneuerungen aus?

Schadenbetroffene Rückversicherungsverträge werden sich massiv verteuern. Interessant ist diese Frage aber speziell für die Renewal-Verhandlungen in Deutschland und Europa: Hier propagieren die Rückversicherer gegenwärtig ihre Entschlossenheit, Preiserhöhungen auch für schadenfreie Rückversicherungsprogramme durchzusetzen. Klar ist, dass die Preise für NatCat-Deckungen wohl nicht weiter sinken werden. Ferner zeigen sich insbesondere deutsche Zedenten jedoch skeptisch, inwieweit Hurrikan-Schäden in den USA Preiserhöhungen von z.B. deutschen Sturmprogrammen zeitigen sollten – Rückversicherer führen dafür die bisherige Subventionierung der hiesigen Rückversicherungspreise durch die amerikanischen NatCat-Prämien an. Erst recht könnte die Argumentation schwer fallen, dass auch andere Sparten wie Motor oder Haftpflicht durch die Schadenereignisse beeinflusst werden sollen.

Die Preise könnten also steigen?

Ich würde eine Entwicklung „Risk Adjusted Flat“ für realistisch halten, also ein Gleichbleiben der Preise bei unverändertem Exposure bzw. ein proportionales Ansteigen der Preise relativ zu einer Zunahme der Risikoexponierung des gedeckten Portfolios. Vielleicht auch eine moderate Preiserhöhung.

Viele Rückversicherer setzen große Hoffnungen in den chinesischen Markt.

Der chinesische Erstversicherungsmarkt ist…