Erschienen in Ausgabe 12-2017Unternehmen & Management

Wenn das Marktrisiko Gewinne bringt

Zinsgarantien im Lebengeschäft richtig rückversichern

Von Alexandra FieldVersicherungswirtschaft

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Die 2017 verabschiedete Berichtserstattungs-Verordnung ermöglicht die effiziente Rückversicherung von Zinsgarantierisiken nun auch für deutsche Lebensversicherer. Durch die Abgabe von Marktrisiken an Rückversicherer können Lebensversicherer erhebliche Effekte im Risikomanagement und auf ihre Solvenzquote erzielen.
Haben Lebensversicherer bisher zumeist biometrische Risiken, vor allem Sterblichkeits- und Berufsunfähigkeitsrisiken, an Rückversicherer übertragen, so bieten sich mit einer lange erwarteten regulatorischen Änderung nun neue Möglichkeiten: Mit der neuen Versicherungsberichtserstattung-Verordnung (BerVersV) hat der Gesetzgeber den regulatorischen Rahmen geschaffen, der Lebensversicherern nun auch die effizient gestaltete Absicherung von Marktrisiken durch Rückversicherung mit Gewinnbeteiligung ermöglicht. War bisher bei der Gewinnzerlegung das Ergebnis aus Rückversicherungsgewinnbeteiligung ausschließlich unter dem übrigen Ergebnis auszuweisen, so enthält das geänderte Berichtformular zur Gewinnzerlegung beim Kapitalanlageergebnis nun eine zusätzliche Zeile für den Ausweis der Rückversicherung des Zinsgarantierisikos.
Dadurch ist fortan ein korrekter Ausweis des Rückversicherungsergebnisses von Zinsgarantien – und insbesondere der in diesem Zusammenhang stehenden Gewinnbeteiligung – nach Gewinnentstehung möglich. In anderen Ländern wurde die Rückversicherung von Marktrisiken in der Vergangenheit bereits genutzt, denn sie ist eine weitreichende und effiziente Maßnahme für das Risikomanagement. Durch die Einführung der risikobasierten Kapitalanforderungen unter Solvency II und der daraus resultierenden unmittelbaren Beziehung von Risiko und Kapital wird sie automatisch zu einer gleichermaßen effizienten Maßnahme im Kapitalmanagement.

Kapitalanforderungen für deutsche Akteure durch Marktrisiko bestimmt

Die in Deutschland üblichen Rückversicherungsverträge jedoch, etwa proportionale Deckungen auf Sterblichkeits- und Berufsunfähigkeitsrisiken, können die Solvenzquote bei den meisten Lebensversicherern nur in begrenztem Rahmen verändern. Dies liegt zum einen daran, dass die Kapitalanforderung für Lebensversicherer im Wesentlichen durch das Marktrisiko bestimmt wird: Der Anteil der Kapitalanforderung nach Diversifikation, der durch die versicherungstechnischen Risiken bestimmt wird, liegt im Schnitt nur bei gut 20 Prozent. Zudem tragen die üblicherweise am stärksten rückversicherten biometrischen Risiken Sterblichkeit und Berufsunfähigkeit nur wenig zum…