Erschienen in Ausgabe 12-2017Märkte & Vertrieb

„Wir starten sicher nicht mit dem Ziel, uns später aufkaufen zu lassen“

Thomas Münkel, Chief Executive Officer des Start-ups Coya, über unternehmerische Ambitionen

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Sie kommen aus der konservativen Versicherungswelt. Was hat Sie dazu motiviert, bei dem Start-up- Unternehmen Coya AG Vorstandsvorsitzender zu werden?

Thomas Münkel: Ich hatte schon einmal die Gelegenheit, in Tschechien und der Slowakei ein quasi analoges Start-up-Unternehmen auf der grünen Wiese zu gründen. Dort habe ich Märkte vorgefunden, die sich von einem Tag auf den anderen komplett öffneten. Wir mussten von der ersten Stunde an darüber nachdenken, wer unsere Kunden sind, was es für Vertriebswege gibt, welche Produkte gefragt sind und wie die IT aufgebaut werden kann. Schon damals habe ich erlebt, mit welchem Engagement die Mitarbeiter dabei waren, und wie viele vermeintlich unmögliche Dinge auf einmal möglich wurden. Dies erlebe ich jetzt wieder in der digitalen Welt. Angesprochen wurde ich, weil man meinte, dass ich mich nicht nur in Strategien und Management auskenne, sondern auch im „Maschinenraum“ von Versicherern. Mich faszinieren die Vorteile, die die Digitalisierung für die Versicherungsbranche bringt.

Coya will der führende internetbasierte Versicherer Europas werden. Wie begründen Sie diesen hohen Anspruch?

Ganz einfach. Bislang gibt es keinen Versicherer, der diesen Platz beansprucht oder ihm auch nur nahe kommt. Warum also sollten wir nicht versuchen, diesen Platz zu erreichen? Das ist wie beim Sport. Wenn Sie sich die Latte niedrig legen und nur darauf trainieren, dann werden Sie nie Top-Leistungen erreichen.

Klingt es nicht ein wenig überheblich, wenn Sie sagen, als erstes Unternehmen die Technologien des 21. Jahrhunderts einzusetzen?

Das mag tatsächlich etwas provokant formuliert sein. Es gibt heute in der Versicherungslandschaft sicher schon sehr gute moderne IT-Systeme. Deren Basis entstand aber vor fünf bis zehn Jahren. Heute gibt es weiter entwickelte Technologien, die neue Möglichkeiten für IT-Kernsysteme eröffnen. Die Tatsache, dass sich einer der Top-Investoren aus dem Silicon Valley stark bei Coya engagiert hat, sehe ich als Bestätigung dafür, dass unser Technologieansatz spannend ist.

Sie haben bei Investoren zehn Mio. Euro eingesammelt. Mit welchen Argumenten haben Sie die knallharten Rendite-Jäger überzeugt?

Da gibt es mehrere Aspekte. Investoren schauen zunächst vor allem auf die Qualität des Teams, dann auf die angedachten Technologien und natürlich auf das geplante Geschäftsmodell. Wir haben ein erfahrenes und sehr ambitioniertes Team. Andrew Shaw und weiteren Teammitgliedern ist es bereits in der…