Erschienen in Ausgabe 12-2017Schlaglicht

Bullen beherrschen die Weiden

Trotz aller Crash-Vorhersagen deutet alles auf steigende Kurse an den Börsen hin

Von Burkhard AllgeierVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Die nahezu exzellente Verfassung der Weltwirtschaft und die nach wie vor insgesamt lockere Geldpolitik der wichtigsten Notenbanken gaben den Aktienmärkten gegen Ende 2017 kräftigen Rückenwind. Hinzu kam, dass viele börsennotierte Unternehmen ihre Gewinne abermals steigern konnten. Zuletzt legten die Gewinne pro Aktie gegenüber dem Vorjahr in Europa, den USA und Japan im hohen einstelligen Bereich zu. Mit dem Erreichen der berühmt-berüchtigten „Allzeithochs“ steigt auch die Nervosität der Anleger: Droht eine Korrektur?
Aktienindizes sind letztlich Preisindizes – bei positiven nominalen Wachstumsraten sollten Aktienkurse grundsätzlich steigen. Im Falle des Dax, der als Performanceindex die Unternehmensausschüttungen (Dividenden) stetig reinvestiert, ist diese Entwicklung sogar noch offensichtlicher.

Mögliche Rezession würde Versicherer härter treffen als den Gesamtmarkt

Die robuste Konjunktur – global im Übrigen zunehmend synchroner – und die lockere Geldpolitik bleiben uns in der Eurozone vorerst erhalten. In den kommenden zwölf Monaten dürften die Unternehmensgewinne (in Europa, USA, Japan) zwischen acht Prozent bis leicht über zehn Prozent zulegen. Aber – und das ist das Argument vieler Skeptiker – passt das Verhältnis zwischen den hohen Kursen und den für das nächste Jahr erwarteten Gewinnen der Unternehmen noch? Das so ermittelte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt beim Dax bei etwa 14, und damit nicht weit über dem Mittel der letzten zehn Jahre. Für den S&P 500 liegt diese Relation mit aktuell 18 etwa vier Punkte über dem Mittel. Im einfachen Zwei-Regionen-Vergleich sind europäische Aktien also sogar günstig, was allerdings auch an politischen Risiken wie dem Brexit liegt. Der „teure“ US-Markt ist hingegen Folge der Konsumschwergewichte und der bekannten US-Technologiekonzerne („Big 5“). Die Bewertungsdiskrepanz zwischen beiden Regionen wird an der Lücke zwischen Gewinnen und Kursen besonders präsent. Diese „Kurs-Gewinn-Lücke“ ist bei den im S&P 500 versammelten Unternehmen offensichtlich, kaum ausgeprägt ist sie hingegen in Europa. Eine solche Lücke kann grundsätzlich auf drei Arten geschlossen werden. Die erste: Die Kurse sinken. Die zweite: Die Gewinne steigen. Die dritte: eine Kombination aus sinkenden Kursen und steigenden Gewinnen in unterschiedlichen Ausprägungen. Für die erste Variante sind die beschriebenen fundamentalen ökonomischen Daten fast zu gut. Vorübergehend sinkende Kurse sind immer möglich, eine echte Aktienmarkt-Baisse hingegen…