Erschienen in Ausgabe 12-2017Schlaglicht

Die Macht der Illusion

In rasantem Tempo kreiert die Digitalisierung neue Geschäftspotenziale. Altes Denken scheint an seine Grenzen zu stoßen. Die Versicherer müssen in dieser Realität erst ankommen. 2018 wird zum erfolgskritischen Jahr.

Von Alexander KasparVersicherungswirtschaft

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Daten sind dumm, sagt DataRobot. Die Firma mit dem kryptischen Namen aus Boston hat sich der Null und Eins verschrieben, der internationalen Sprache der Digitalisierung. DataRobot war einer der 70 internationalen Aussteller auf der Digital Insurance Agenda (DIA) – der Jahreshauptversammlung der nach Innovationen strebenden Versicherungswirtschaft. Alle trieb die Frage um, wie man aus Daten Geschäfte machen kann. „Versicherer müssen die Lücke schließen zwischen dem Anspruch, die Vergangenheit zu bewahren und die Zukunft zu handeln“, erklärte Roger Peverelli, Gründer der DIA, in seinem Eröffnungsvortrag vor den mehr als 1.000 Zuhörern. Vor seinen Augen sah Peverelli wie die einen nach Geld suchten, die anderen nach Ideen. So wuchs auf der Messe zusammen, was bis vor kurzem kaum zusammen gedacht wurde. Welche der auf der DIA forcierten Innovationen werden die Versicherungssparten im Jahr 2018 nun umkrempeln?
In der Krankensparte dürfte die Antwort lauten: Gesundheits-Apps. Sie messen den Blutzucker, überwachen den Puls und geben Ratschläge für die Ernährung. Sie ermitteln den Kalorienbedarf und Verbrauch, die täglich zurückgelegte Strecke per pedes oder sie erinnern pünktlich an die Einnahme wichtiger Medikamente. Damit eröffnen sie den Nutzern den kinderleichten Zugang für ein gesünderes Leben und den Anbietern neue Potenziale der Effizienzgewinnung.

Doktor aus dem Smartphone

Nach Einschätzung der Gesellschaft für Innere Medizin hat die Zahl der Angebote im Segment der Gesundheits-Apps die 100.000-Marke bereits überschritten und beinahe täglich werden es mehr. In den App-Stores tummeln sich viele Anbieter, deren Programme allerdings teils zweifelhaft arbeiten, lasch mit dem Datenschutz umgehen und Nutzer sogar in Gefahr bringen können. So hat die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen bei einem Test von 17 Gesundheits-Apps festgestellt, dass 11 „nicht mal minimalste Anforderungen an die Transparenz über den gesundheitlichen Nutzen“ erfüllen. So unübersichtlich sich das Angebot dem gesundheitsbewussten Zeitgenossen präsentiert, so unklar sind bislang tatsächlich auch die Auswirkungen auf den Gesundheitsmarkt, auf die Krankenversicherer im Allgemeinen und auf die Private Krankenversicherung im Besonderen. Auch wenn immer mehr Anbieter sogenannte „Vitality-Programme“ entwickeln, bei denen Bonussysteme den Versicherungsnehmer zu einem gesunden Lebenswandel animieren wollen – Gegner kritisieren diesen Ansatz als Bevormundung, neudeutsch „nudging“ – so gilt für den…