Erschienen in Ausgabe 12-2017Trends & Innovationen

„Deutschland sollte sich nicht nur auf neue Ausgabenprogramme beschränken“

Ifo-Präsident Clemens Fuest über Staatsaufgaben, politische Konstellationen und internationale Marktrythmen

Versicherungswirtschaft

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„Deutschland sollte sich nicht nur auf neue Ausgabenprogramme beschränken“

Ifo-Präsident Clemens Fuest über Staatsaufgaben, politische Konstellationen und internationale Marktrythmen

Welche Prognose wagen Sie für die deutsche Volkswirtschaft im kommenden Jahr? Welche Ereignisse könnten die Wirtschaft beflügeln und wo lauern die möglichen Dämpfer?

Die Aussichten für 2018 sind sehr gut. Die deutsche Wirtschaft wächst kräftig, die öffentlichen Haushalte haben Überschüsse und die Beschäftigung ist auf einem Rekordniveau.
Dass die Erholung auch den Rest der Eurozone erreicht hat, treibt die deutsche Wirtschaft weiter an. Risiken sind mögliche Turbulenzen beim Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik in Europa und den USA, der Brexit, geopolitische Spannungen in Korea und im Nahen Osten sowie eine mögliche Abkühlung des Wachstums in China.

Was ist mit der politischen Unsicherheit? Die Jamaika-Verhandlungen sind gescheitert, die Wirtschaftsverbände sind schockiert. Würden Neuwahlen das Wachstum hemmen?

Die vorhandene politische Unsicherheit über die Bildung einer neuen Regierung wird das Wachstum in Deutschland sicherlich nicht stärken, aber größere Beeinträchtigungen würde ich davon auch nicht erwarten. Zur Belastung würde die Unsicherheit erst dann, wenn sich abzeichnen würde, dass es dauerhaft schwer wird, eine stabile Regierung zu bilden.
Egal welche Regierungskonstellation kommt, sollte man darauf achten, nicht nur neue Ausgabenprogramme aufzulegen, sondern auch vorhandene Staatsaufgaben zu überprüfen. Aus konjunktureller Sicht sollte der Staat seine Ausgaben derzeit eher senken.

Welche wirtschaftlichen Risiken birgt eine Minderheitsregierung?

Für die Wirtschaftspolitik birgt eine Minderheitsregierung Risiken, aber auch Chancen. Das größte ökonomische Risiko besteht in der wachsenden Unsicherheit über den Kurs der Wirtschaftspolitik und die Stabilität der Regierung. Die Chance besteht darin, dass die Rolle des Parlaments gestärkt wird und über einzelne politische Entscheidungen ausführlicher und offener diskutiert wird. Die skandinavischen Länder und Kanada haben mit Minderheitsregierungen oft gute Erfahrungen gemacht.“

Von der nächsten Finanzkrise wird schon lange gewarnt, doch die Aktienmärkte kennen nur eine Richtung. Sind die Sorgen um eine bevorstehende Blase unbegründet?

Meines Erachtens sind die nicht unbegründet. Bei den Staatsanleihen haben wir bereits eine Blase, an den Aktienmärkten sehe ich blasenartige Entwicklungen eher in den USA als in Europa. Bei den…