Erschienen in Ausgabe 12-2017Trends & Innovationen

„Verkäufe von Vertragsbeständen sind ein massiver Vertrauensbruch“

Ein Drittel der Lebensversicherer strauchelt, Politik will Run-offs begrenzen

Versicherungswirtschaft

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Die deutschen Lebensversicherer kommen nicht aus den Negativschlagzeilen heraus. Erneut wurden sie auf Herz und Nieren geprüft – von der Ratingagentur Assekurata und des größten deutschen Policenaufkäufer Policen Direkt. Die Ergebnisse sind alarmierend, aber nicht sonderlich überraschend nachdem bereits im Mai im Rahmen von Solvency II erstmalig die Solvenzquoten veröffentlicht wurden. Damals haben 29 der 84 Lebensversicherer die 100-Prozent-Schwelle gerissen. Zum ähnlichen Ergebnis kommt Policen Direkt: Bei 30 von 84 Lebensversicherern reichen die im Jahr 2016 erwirtschafteten Erträge aus der Kapitalanlage nicht für die Garantieverpflichtungen. Ebenso könnte die gesetzlich vorgeschriebene Reserve nicht bedient werden. Die Versicherer müssten sich daher aus anderen Ertragsquellen wie sinkenden Verwaltungskosten sowie Risikogewinnen bedienen, die dann zu großen Teilen den Kunden zugutekommen. Grund für die Probleme sind nach wie vor die Niedrigzinsen. Keine gute Nachricht für die 89,3 Millionen Policeninhaber. Denn: „Die Belastung der Lebensversicherer nimmt stark zu“, sagt Henning Kühl, Chefaktuar von Policen Direkt. Im Vorjahr seien schließlich noch zehn Versicherer weniger betroffen gewesen. Folglich rechnet Kühl damit, dass mehr Anbieter ihre klassischenLebensversicherungsverträge in einen Run-off überführen.

Politischer Aktionismus war absehbar

Das wiederum ruft die Politik auf den Plan. Die CDU möchte den Verkauf von Altbeständen nicht mehr hinnehmen. „Uns ist durchaus bewusst, dass die Bafin aus gutem Grund bereits dabei ist, sich die Sachverhalte anzuschauen und dass der Spielraum für regulatorische Initiativen begrenzt sein wird. Wir halten aber Verkäufe von Vertragsbeständen, bei denen Renditeoptimierung über die Interessen der Kunden gestellt wird, für einen massiven Vertrauensbruch gegenüber den Versicherten“, erklärt CDU-Vize Fraktionschef Ralph Brinkhaus. „Jenseits von Recht und Gesetz gibt es auch moralische Kategorien. Das Produkt Lebensversicherung, das eh unter Druck steht, wird damit zu Lasten der gesamten Branche beschädigt. Es ist daher ganz natürlich, dass wir darüber im parlamentarischen Raum diskutieren werden.“ Der Branchenverband GDV beruhigt: „Für die Kunden ändert sich nichts. Die Verträge werden unverändert fortgeführt.“ Darauf verweist auch Henning Kühl von Policen Direkt. Paragraph 13 des Versicherungsaufsichtsgesetzes (VAG) gewährleiste, dass die Versicherten nicht schlechter gestellt werden dürften als vorher. „Das ist Fakt…