Erschienen in Ausgabe 11-2017Köpfe & Positionen

Innovation ist keine Business Unit.

Zu Unternehmen & Märkte: „Viele Wege führen nach Palo Alto“,

Versicherungswirtschaft

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Ja, Versicherungsunternehmen können innovativ sein. Schließlich gibt es mittlerweile unzählige Acceleratoren, Inkubatoren und Innovation Labs, die sich auf die Versicherungsbranche spezialisiert haben. Big Data, künstliche Intelligenz oder Blockchain, aber auch Ansätze wie Design Thinking oder User Experience Design sind für Entscheider in den Unternehmen schon lange keine Fremdwörter mehr. Ebenso wenig schaut man bei Führungskräften nicht mehr in fragende Gesichter, wenn man sie mit Insurtechs wie Getsurance oder Wefox konfrontiert.
Oftmals wurden sogar bereits erste Pilotprojekte mit den neuen Playern im Markt durchgeführt oder große Summen in die Branchenneulinge investiert. Das alles wäre noch vor drei Jahren undenkbar gewesen. Innovation scheint also – auf den ersten Blick betrachtet – in der Assekuranz angekommen zu sein.
Bei genauerem Hinsehen wird allerdings schnell klar, dass diese Aussage nicht zu vorschnell getroffen werden sollte. Die Umsetzung von Innovationen in der Versicherungsbranche erweckt oftmals den Eindruck, als würden planbare und stringente Entscheidungen zugrunde liegen, die in Vorstandssitzungen mit festgelegten Budgets und einem Umsetzungszeitraum begrenzt auf drei Jahre getroffen wurden. Wenn dann ein unternehmenseigenes Lab aufgebaut oder in ein Start-up investiert wurde, so sagen viele: „Wir sind fit für die Zukunft!“ Führen die mitunter gar nicht mal so geringen Investments dann letztendlich zu Abschreibungen, so ist das am Ende nicht mehr als ein Rundungsfehler in der Bilanz.
Hierbei sind jedoch nicht böser Wille oder fachliche Fehleinschätzung der Grund. Es ist vielmehr unserem erlernten Verständnis für betriebswirtschaftliche Planbarkeit geschuldet. Clayton M. Christensen hat dies bereits 1997 in seinem Buch „Innovators Dilemma“ thematisiert: Unternehmen lieben Effizienzinnovationen – und das sind auch die Innovationen, bei denen die Assekuranz durchaus Erfolge vorweisen kann.
Definiert man Innovation allerdings anhand der „Vier Dimensionen des Innovationsraums“ von John Bessant und Joe Tidd, so wird deutlich, dass die aktuellen Innovationsbemühungen der Assekuranz weitestgehend auf diese drei Aspekte abzielen: Produkt (Was biete ich an?), Prozess (Wie biete ich es an?) und Position (Wo biete ich es an?).
Die vierte und meiner Meinung nach elementarste Dimension stellt die meisten Versicherer noch immer vor große Herausforderungen: die Unternehmenskultur, Ideologie und Organisation (Paradigm). Fragen, die in diesem…