Erschienen in Ausgabe 11-2017Märkte & Vertrieb

Einkaufen statt selbst entwickeln

Bei der Modernisierung ihrer IT-Architektur gehen Versicherer unterschiedliche Wege

Von Uwe Schmidt-KasparekVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Deutsche Versicherer müssen ihre Informationstechnologie (IT) dem digitalen Zeitalter anpassen. Doch sie haben fast alle eine historisch gewachsene Applikationslandschaft. Sie zu modernisieren ist eine Herkulesaufgabe. Die Versicherungswirtschaft befragte rund 30 große und kleine Assekuranzen, welche Strategie sie verfolgen, welche Projekte besonders im Fokus stehen, welche Automatisierung erreicht wurde und in welcher Geschwindigkeit neue Idee marktreif werden können. Die Momentaufnahme ist sehr facettenreich.
Selbst bei eigentlich einfachen Bestandsführungssystemen schaffen deutsche Versicherer die digitale Wende nicht. Das behauptet zumindest Michał Trochimczuk von Sollers Consulting aus Köln. Die meisten deutschen Assekuranzen würden mit stark veralteten Bestandsführungssystemen immer weiterarbeiten. „Bald werden die Versicherer hier große Schwierigkeiten bekommen“, prophezeit der Berater. Ein erstes Indiz sei die Tatsache, dass die Assekuranzen händeringend nach IT-Spezialisten suchen würden. „Doch der Markt ist leergefegt. Die alten Systeme benötigen viel zu viel Wartungsarbeit“, so der Berater, dessen Lieblingswort „Agilität“ ist. Das würde das Management der meisten deutschen Assekuranzen nicht verstehen. So würden IT-Projekte nach dem System des Wasserfalls aufgebaut, alles müsse vorher konzipiert werden. Trochimczuk: „Das dauert in der Regel sechs bis neun Monate. Die Umsetzung dann noch mal ein Jahr.“

Versicherer nehmen jeden, der Cobol beherrscht

Diese Hiobsbotschaft bestätigt der Pressesprecher eines mittelgroßen Versicherers. „Der Umbau unserer Altsysteme ist mehr als schwierig.“ So sei die Harmonisierung und die Anbindung an die neuen Welten oft mit hohem Aufwand verbunden. „Wir haben es erlebt, dass im Test alles in Ordnung war, aber im Realbetrieb unsere Systeme abgestürzt sind.“ Wie verzweifelt die Assekuranzen sind, zeigt sich daran, dass der westdeutsche Versicherer sogar trotz hoher Sprachbarriere einen Flüchtling aus Afrika einstellen wollte, weil dieser behauptete, Cobol programmieren zu können. Die Programmiersprache, die Ende der 1950er Jahre entstand, ist immer noch für viele Altsysteme der Versicherer notwendig. In einem Test konnte der Flüchtling seine Fähigkeiten aber nicht unter Beweis stellen. „Wir sind auf Programmierer für Altsysteme angewiesen“, sagt Stephan Fanenbruck, Geschäftsführer der W&W Informatik GmbH aus Ludwigsburg. Daher gebe es bei seinem Unternehmen eine Abteilung in der das Durchschnittsalter der…