Erschienen in Ausgabe 11-2017Schlaglicht

Glück im Unglück

Warum Katastrophenanleihen gerade jetzt mehr Auftrieb bekommen könnten

Von Karsten BromannVersicherungswirtschaft

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Nach vorsichtigen Anfängen in den 90er Jahren entwickelten sich Katastrophenanleihen, kurz Cat Bonds, nach der Millenniumswende zu einem Markt mit gegenwärtig 26,5 Mrd. US-Dollar Gesamtvolumen. Diese Verbriefungen, die Versicherern eine Diversifikationsmöglichkeit ihres Rückversicherer-Portfolios mit hervorragender Kreditsicherheit ermöglichen und von Rückversicherern als Alternative zum Retro-Markt genutzt werden, bieten für Investoren eine High-Yield-ähnliche Anlagemöglichkeit ohne Durationsrisiken und mit nur geringer Abhängigkeit zu anderen Anlageklassen. Diese positiven Eigenschaften resultieren aus den strukturellen Merkmalen der Cat Bonds:
Mittels der Instrumente können Versicherer bei einer Zweckgesellschaft (SPV-Special Purpose Vehicle) Deckung für vertraglich klar definierte Schadenereignisse einkaufen. Das SPV verschafft sich das Kapital zur Besicherung der potenziellen Verbindlichkeiten durch die Emission eines Cat Bond. Die Zeichnungserlöse fließen dabei nicht wie bei einer Unternehmensanleihe auf die Bilanz des Versicherungskäufers, sondern verbleiben auf einem Treuhandkonto und werden in Geldmarktinstrumente angelegt. Für die Übernahme des Versicherungsrisikos zahlt der Versicherungskäufer eine Risikoprämie an das SPV. Der Investor erhält einen Coupon, der sich aus dieser Risikoprämie und den Geldmarkterträgen zusammensetzt. Tritt während der Laufzeit des Cat Bond, typisch sind 3 Jahre, kein definiertes Schadenereignis ein, erhält der Investor sein Kapital zurück. Im Falle des Eintretens eines Schadenereignisses wird das Kapital zum Begleichen der Versicherungszahlung benutzt. Diese Struktur macht den Cat Bond vom Kreditrisiko des Versicherungsunternehmens und vom Zinsänderungsrisiko unabhängig, wobei die Höhe des Coupons vom eingegangenen Versicherungsrisikos abhängt.
In Zeiten des Anlagenotstandes im Bereich festverzinslicher Wertpapiere wurden viele institutionelle Anleger wie Pensionskassen, Versicherungsunternehmen und Stiftungen, aber auch Family Offices und Privatanleger, auf diese Anlageklasse aufmerksam. Wenn man den Marktindex der Schweizer Rück als Anhaltswert nimmt, wurde der langjährige Investor von 2002 bis zum Sommer 2017 mit einer annualisierten Rendite von 7,7 Prozent belohnt, wobei die Cat Bonds zusätzlich ihren Vorteil der hohen Marktunabhängigkeit ausspielen konnten. Korrelationen zu Aktien und Anleihen waren gering, und auch während der Kreditkrise und dem Lehman-Default hielten sich Abwertungen in engen Grenzen…