Erschienen in Ausgabe 11-2017Schlaglicht

Geheime Treffen und offene Geheimnisse

Die Preisfindung in Baden-Baden dauert dieses Jahr länger als geplant

Von Dominic EggerVersicherungswirtschaft

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Baden-Baden schien unter keinem guten Stern zu stehen: Gleich mehrere Rückversicherer gaben wegen der heftigen Schaden-Ereignisse mit Namen Harvey, Irma und Maria sowie dem Erdbeben in Mexiko Gewinnwarnungen heraus. „Niemand sitzt hier wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange“, beruhigt Jan-Oliver Thofern beim Breakfast Briefing von Aon Benfield im ersten Stock des Kurhauses. „Rückversicherung muss volatil sein.“ Im Vergleich der aktuellen Schadensituation mit der des Jahres 2005 gibt der Deutschlandchef des Rückversicherungsmaklers zu Bedenken, dass der Markt auf deutlich festeren Füßen als noch vor 11 Jahren stehe: Die Kapitalisierung der Gesellschaften sei seither im Durchschnitt um 60 Prozent gestiegen. Außerdem stünde dem Markt deutlich mehr „alternatives Kapital“ als damals zur Verfügung. „Die Rückversicherungsmärkte sind weiterhin sehr leistungsfähig“, sagt Thofern. Das zeige sich auch daran, dass Rückversicherer die Schäden in den USA sehr schnell regulieren würden.
In der Lichtentaler Allee 8, kurz „LA8“, wie das unter gleichem Dach befindliche Museum, residiert wie gehabt die Munich Re. Die dort versammelten Journalisten muss Herman Pohlchristoph, Neuzugang im Vorstand des Münchener Rückversicherers enttäuschen, hatten sie doch auf Schätzungen zum letzten, in Segment Naturkatastrophen besonders schadensreichen dritten Quartal gehofft. Die Schadenschätzung sei gerade in den Hurrikan-Gebieten sehr zeitaufwendig, da Flut- und Windschäden getrennt erfasst werden müssten. Und Munich Re will sich nicht als „Front runner“ betätigen, heißt es, dabei wäre der Versicherer höchstens Nachläufer: Branchenprimus Swiss Re hat längst verkündet, wegen der Hurrikans und der Erdbeben im dritten Quartal 3,6 Mrd. US-Dollar an Schäden regulieren zu müssen, Scor meldet 430 Mio. US-Dollar.
Erst Donnerstag – am letzten Tag des Rückversicherungstreffens – schiebt Munich Re eine Schaden-Schätzung hinterher: Mit 2,7 Mrd. Euro schlagen allein die drei Wirbelstürme bei den Münchenern zu Buche. Zusammen mit dem Erdbeben in Mexiko und weiteren Ereignissen entsteht dem Versicherer eine Gesamtbelastung von 3,2 Mrd. Euro.

Ungezügelter Risiko-Appetit

„Das Rückversicherungsgeschäft ist nur dann profitabel, wenn der Preis stabil ist“, sagt Pohlchristoph und gibt zu Beginn der Woche die Losung aus: „Wir erwarten, dass die Preise zu einem risikoadäquaten Niveau zurückkehren.“ Das gelte für den Bereich der Schaden-Versicherung weltweit, schließlich seien die Preise global korreliert…