Erschienen in Ausgabe 11-2017Schlaglicht

Meilenstein am großen Teich

USA und EU bauen aufsichtsrechtliche Hindernisse für die Rückversicherung ab

Von Dr. Friedrich IsenbartVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Für die Rückversicherungsbranche geht eine lange Zeit des Wartens zu Ende: Am 22. September unterzeichneten die EU und die Vereinigten Staaten das Bilaterale Abkommen über Aufsichtsmaßnahmen für die Versicherung und die Rückversicherung. Ob es auf Seiten der Vereinigten Staaten überhaupt zur Unterzeichnung kommen würde, war zeitweise durchaus unklar. Zwar hatten sich die EU und die Vereinigten Staaten am 13. Januar 2017 auf gemeinsame Regeln verständigt, die es Rückversicherungskonzernen erleichtern sollen, grenzüberschreitendes Geschäft zu zeichnen. Dies war aber noch unter der Obama-Regierung erfolgt. Ob die neue Regierung sich hieran gebunden fühlen und das Abkommen unterzeichnen würde, galt nicht als ausgemacht. Für EU- und US-Versicherer bringt das Abkommen signifikante Erleichterungen in der gegenseitigen Rückversicherung und Retrozession.
Bislang waren Rückversicherer aus der Europäischen Union verpflichtet, hohe Sicherheitsleistungen in den USA zu hinterlegen, wenn sie dortige Risiken der Zedenten zeichnen wollten. Mit den sogenannten „Collaterals“ soll sichergestellt werden, dass die Gesellschaften ihren Zahlungsverpflichtungen im Schadenfall nachkommen – vermeintlich aus Gründen des Verbaucherschutzes. Insgesamt binden die Collaterals der EU-Kommission zufolge rund 40 Mrd. Dollar (37,6 Mio. Euro) Kapital der europäischen Rückversicherer in den USA. Mit der Hinterlegung der Sicherheiten sind zudem jährliche Kosten von insgesamt 400 Mio. Euro verbunden.
Da die Versicherungsaufsicht in den USA den Bundesstaaten obliegt, kann jeder Bundesstaat selbst bestimmen, in welcher Höhe ausländische Rückversicherer Collaterals hinterlegen müssen. Ein ausländischer Rückversicherer musste so früher in der Regel 100 Prozent der Versicherungssumme hinterlegen, wenn er das Risiko eines Erstversicherers zeichnete. Zwar verlangt eine Mehrzahl der US-Bundesstaaten von solventen Rückversicherern aus Deutschland, Frankreich, Irland und Großbritannien seit 2011 reduzierte Sicherheitsleistungen unterschiedlicher Höhe. Die Vielzahl an Vorschriften und die Bindung des Kapitals durch Sicherheitsleistungen stellen aber immer noch eine regulatorische Hürde dar, die einen effektiven Wettbewerb zwischen den europäischen Rückversicherern und ihren amerikanischen Konkurrenten behindert – zulasten der international ausgerichteten europäischen Rückversicherungsgesellschaften und der amerikanischen Erstversicherer, die für die Zession höhere Prämien als nötig zahlen.
Für…